Aktuell

26. August 2014 - von Bastian Brauns

Abflugzeit für Wowereit

Der Rücktritt des Regierenden Bürgermeisters von Berlin

Fakten

  • Nach 13 Jahren im Amt, will Klaus Wowereit sein Amt als Regierender Bürgermeister von Berlin am 11. Dezember zur Verfügung stellen.
  • Schön länger gab es Gerüchte, dass Wowereit zurücktreten werde. Gefordert wurde es vor allem im Zuge der Flughafen-Pannen zum BER.
  • Wowereit galt als Type, der Berlin als weltoffene und bunte Stadt bekannt machte. Zugleich wurde im zuletzt aber auch Abgehobenheit und Kritik-Resistenz vorgeworfen.

Tagesspiegel

http://www.tagesspiegel.de/berlin/berlin-und-der-regierende-klaus-wowereit-kann-stolz-auf-sich-sein/10610172.html

“Klaus Wowereit kann stolz auf sich sein”, schreibt Werner van Bebber im “Tagesspiegel”. Auch wenn er in den letzten anderthalb Jahren keine wirklichen Impulse mehr habe geben können. In puncto Flughafen sei es Pech für Wowereit, dass er nicht wirklich die Kontrolle über das hatte, was nicht geklappt habe. Insgesamt aber habe er das Image Berlins erfolgreich in die Welt getragen.

Handelsblatt

http://www.handelsblatt.com/meinung/kommentare/kommentar-wenn-wowereit-ein-ceo-waere-/10609642.html

“Wenn Wowereit ein CEO wäre, dann würde die Aktie von Berlin heute einen Luftsprung machen”, kommentiert Oliver Stock für das “Handelsblatt”. Das sei nämlich an der Börse so, wenn das Zugpferd für das Unternehmen zur Belastung werde. Nach 13 Jahren sei Wowereit genau das geworden: eine Belastung. Seine drei Probleme seien Flughafen-Peinlichkeit, sein schlechter Stand in der Partei und der Zustand der Stadt. Berlin, arm aber sexy, funktioniere mittlerweile nicht wegen, sondern trotz Wowereit.

Bild

http://www.bild.de/politik/inland/bild-kommentar/wowi-weg-aber-ist-das-auch-gut-so-37403556.bild.html

“Ich sage voraus, dass sich Deutschland und seine Hauptstadt-Bewohner schon sehr bald nach Teflon-Klaus zurücksehnen werden”, meint Hans-Jörg Vehlewald für “Bild”. Zwar sei wirklich alles an ihm abgeperlt, aber ihn zu ersetzen, wäre zunächst schlicht unmöglich. Wichtig sei in Berlin das Beherrschen der Polit-Show. Genau das sei Wowereits Ding gewesen. Niemand habe in der SPD das Format und das Standing von ihm.

Focus Online

http://www.focus.de/politik/deutschland/aufstieg-und-fall-eines-ausnahme-politikers-wie-seine-arroganz-wowereit-nach-oben-spuelte-und-ihn-dann-alles-kostete_id_4085755.html

Der Rücktritt sei logische Konsequenz, schreibt Linda Wurster für “Focus Online”. Denn “[...] die Arroganz, die früher seinen Charme ausmachte, wirkt angesichts seines Versagens wie eine dreiste Provokation.” Er sei ein Mann, der mit seinem lässigen Lächeln einerseits Charisma ausstrahlte, aber andererseits eben extrem abgehoben sei. Gerade die BER-Pleite zeige das. Klaus Wowereit habe den Berlinern letztlich noch immer das Gleiche zu geben wie damals, als er vor mehr als 13 Jahren sein Amt angetreten habe. Nur wolle das eben nun keiner mehr.

faz.net

http://www.faz.net/aktuell/politik/wowereit-tritt-zurueck-ueberfaellig-13117827.html

“Doch die politische Dauerbaustelle Hauptstadtflughafen und sein Ansehensverlust bei den Berlinern haben Klaus Wowereit zermürbt”, schreibt Thomas Holl auf “faz.net”. Seinen schleichenden Abstieg zur kaum noch ernst genommenen Führungsfigur mit kläglichlichem Abgang habe Wowereit selbst zu verantworten. Die Verantwortung für den womöglich nie fertiggestellten Hauptstadtflughafen würde er allerdings nicht alleine tragen. Der nächste saubere Schnitt wäre jetzt noch eine Neuwahl des Berliner Abgeordnetenhauses.

“Sein Abgang ist ein Segen für die Stadt”, kommentiert Frank Hornig hier auf SPIEGEL ONLINE. Gerade angesichts Wowereits Lebenswerk Hauptstadtflughafen seien ihm in atemberaubendem Tempo die Zügel entglitten. Seine Verdienste für die Stadt seien dennoch großartig gewesen. Unter seiner Regierung habe Berlin einen beispiellosen Aufschwung erlebt: bewältiger Bankenskandal, Hauptstadt-Filz bekämpft, Finanzen saniert und ein cooles Image der Stadt. Dass er nun abtrete, “ist gut so”. Aber eben auch ein bisschen schade.

Süddeutsche.de

http://www.sueddeutsche.de/politik/klaus-wowereit-vor-ruecktritt-die-party-ist-aus-1.2104207

“Der Rücktritt kommt zum richtigen Zeitpunkt – vor allem für ihn”, kommentiert Thorsten Denkler auf “Süddeutsche.de”. Denn so wie es aussehe, hätte Wowereit ohnehin keine Chance mehr auf Wiederwahl gehabt, auch wenn sein Rücktritt gerade freiwillig wirke, weil akut niemand danach schreie. In Wirklichkeit aber verlasse Wowereit das Amt am Tiefpunkt seiner Karriere.