Aktuell

25. November 2014 - von Christina Scholten

Bock auf Quote?

Heute Abend diskutiert das Kabinett die Frauenquote

Fakten

  • Heute Abend berät das Kabinett die Umsetzung der Frauenquote. Im Koalitionsvertrag beschlossen wurde eine 30%-Quote in Aufsichtsräten, die für etwa 100 Großunternehmen gelten würde.
  • Im Vorfeld des heutigen Treffens hatte CDU-Politiker Kauder die SPD-Familienministerin Schwesig als weinerlich bezeichnet, Gabriel erwiderte, dass manche Männer wohl ein Problem hätten.

“Die Quote ist eine Diskriminierung nach Geschlecht”, befindet Norbert Wallet auf “stuttgarter-nachrichten.de”. Es sei unumstritten, dass es viele Ungleichbehandlungen gebe, doch eine moderne Gleichstellungspolitik äußere sich darin, dass sie Hemnisse für die Entwicklung beider Geschlechter bekämpfe. Es möge ja sein, dass es die immer vorausgesetzte große Nachfrage von Frauen in Spitzenpositionen tatsächlich gebe. Aber geglückte Gleichberechtigung entscheide sich primär an Themen wie Ausbau der Kinderbetreuung oder gleicher Entlohnung.

“Die Frauenquote sollte nicht als Allheilmittel gegen Ungleichheit gesehen werden, aber als Startschuss dafür, dass Deutschland auch an dieser Stelle modern und wettbewerbsfähig wird”, meint Anna Reimann hier auf SPIEGEL ONLINE. Zwar stimme es, dass eine Frauenquote ein Eingriff in die Unternehmensfreiheit darstelle, doch gebe es auch andere Reglementierung seitens der Politik. Die Behauptung, dass mehr Frauen der Wirtschaft schadeten sei merkwürdig, das es sich konkret nur um rund 170 Aufsichtsratmandate für Frauen handele.

Die Frauenquote wird immer löchriger”, kommentiert Rena Lehmann von der “Rhein-Zeitung”. Die Gegenreaktionen der Union zu ihren Entwürfen würden auch daher rühren, dass Schwesig die Frauenquote so oft als nicht verhandelbar dar gestellt habe. Da Sigmar Gabriel schon bei der Rente mit 63 Kritik einstecken musste, habe er wohl keine Lust auf ein weiteres Debakel. So werde aus  der Quote wohl nur ein Quötchen und die Förderung von Frauen in Führungspositionen ausgebremst.

“Das ist eine Diskriminierung aller intelligenten Frauen”, kritistiert Maren Christoffer vom “Stern” die Pläne zur Frauenquote. Die ständige Frage danach, ob die Angestellte aufgrund ihrer Kompetenz oder der möglichen Frauenquote eingestellt worden ist, werde keine Frau auf Dauer glücklich machen. Wer in eine Führungsposition wolle, müsse sich das erkämpfen – schließlich sei heute alles möglich. “Wir Frauen brauchen keine Quote, um erfolgreich zu sein. Wir schaffen es von allein.”

“Schon jetzt ist das Gleichstellungsgesetz ein magerer Kompromiss”, meint Constanze von Bullion auf sueddeutsche.de. Und nun durchlöchere die Union auch noch die feste Rest-Quote. Erlaubte Ausnahmen für Konzerne wären der Tod für die Frauenquote. Der zweite Kompromiss, der auf die Freiwilligkeit der mittelständischen Unternehmen in Punkto Frauenquote zielt, bringe zudem überhaupt nichts. Ohne ein Machtwort Merkels drohe das Gesetz zum schlechten Scherz zu werden.

“Unabhängig von allem anderem, ist dieser Quoten-Vorstoß natürlich der pure Sexismus”, kommentiert Gideon Böse auf seinem “Welt”-Blog, schließlich entschiede ein Blick auf die Genitalien über die Vergabe von Führungspositionen. Gleichberechtigung könne nicht Teil der eignen Agenda sein, wenn man die rechtliche Diskriminierung aufgrund des Geschlechts fordere. Die Frauenquote könne als ein Elitenprojekt für gut ausgebildetete und karrierebewusste Frauen betrachtet werden – mit der Lebensrealität der anderen habe die Frauenquote nur sehr wenig zu tun.