Aktuell

20. August 2014 - von Carla Baum

Ferguson – Spiegelbild Amerikas?

Fakten

  • Seitdem die Polizei aus Ferguson im US-Staat Missouri den unbewaffneten schwarzen Teenager Michael Brown erschossen hat, kommt es dort zu Unruhen und Ausschreitungen.
  • Am Dienstag wurde ein weiterer, 23-jähriger Schwarzer von der Polizei in der Nähe von Ferguson erschossen, nachdem er einen Supermarkt überfallen hatte.
  • Obama mahnte die Polizei und Protestierende zur Ruhe und sprach der Familie Browns sein Beileid aus.

Neue Zürcher Zeitung

http://www.nzz.ch/meinung/kommentare/der-funke-von-ferguson-1.18366398

“Damit der Funke von Ferguson nicht auf weitere Orte übergreift, braucht es daher weit mehr als nur eine Militäraktion – vor allem eine Politik, die den schwarzen Unterschichten das Gefühl gibt, ein gleichberechtigter Teil der Gesellschaft zu sein”, kommentiert Andreas Rüesch für die “Neue Zürcher Zeitung”. Solange Schwarze in den USA das Gefühl hätten, systematisch benachteiligt und unter Druck gesetzt zu werden, sei für die Proteste kein Ende in Sicht. Denn Weiße hätten selbst dort politisch die Oberhand, wo sie in der Minderheit seien.

http://www.taz.de/!144387/

“In Ferguson zeigt sich das Erbe des Rassismus in den USA. Er reicht von der Sklaverei über die Segregation bis hin zur Benachteiligung von Minderheiten”, schreibt Dorothea Hahn für “taz.de”. Deshalb sei Ferguson auch mitnichten ein Einzelfall. Benachteiligte Minderheiten, die abgetrennt von der Mehrheitsbevölkerung leben, gäbe es nicht bloß in Missouri, sondern auch in jeder US-amerikanischen Großstadt. An jedem dieser Orte gebe es Potenzial für Vorfälle wie die in Ferguson.

http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/amerika/kommentar-ferguson-stadt-ohne-vertrauen-13106582.html

“Solche reflexhaften Vorurteile und bösen Assoziationen kennt jeder Schwarze in den Vereinigten Staaten aus seinem Alltag”, kommentiert Patrick Bahrens auf “faz.net”. Deshalb sei nun auch das Vertrauen in eine Aufklärung des Falls denkbar gering. Das Schweigen der Behörden über die Identität des Todesschützen verbreite den düsteren Eindruck, dass es für einen Schwarzen einfach immer gefährlich sei, an einen weißen Polizisten zu geraten – ob er nun bewaffnet sei oder nicht.

Stuttgarter Zeitung

http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.kommentar-zu-unruhen-in-den-usa-fast-wie-im-irak-des-jahres-2004.0212fcb7-d5e8-43d6-b89e-626e438697b2.html

Es seien über Jahre angestaute Spannungen, die sich nun in Ferguson entladen, meint Frank Hermann in der “Stuttgarter Zeitung”. Die Bilder, die von den Protesten an die Öffentlichkeit gelangten, sähen mehr aus wie Szenen aus dem Irakkrieg 2004, als Eindrücke aus einer Stadt in den USA. Dass es zu einer derartigen Eskalation gekommen sei, liege am Verhalten der Einsatzkräfte: “Die Hauptschuld trägt eine vornehmlich weiße Polizeitruppe, deren Anblick im mehrheitlich schwarzen Ferguson an die Südstaaten in Zeiten der Rassentrennung erinnern.”

Cincinnati Enquirer

http://www.cincinnati.com/story/opinion/contributors/2014/08/19/opinion-ferguson-officers-attitude-problem/14277917/

Der Tod Michael Browns verdeutliche die rassistischen Strukturen der Polizei in mehrheitlich durch Schwarze bewohnten Gegenden der USA, kommentiert Morris Williams für den “Cinncinati Enquirer”. In Ferguson gäbe es unter 53 angestellten Polizeibeamten lediglich drei Schwarze. Solange dies der Fall sei, sei die Hoffnung auf Veränderungen gering – zumal Polizisten, die gewallttätig gegen Schwarze vorgingen, generell nicht mit Entlassungen zu rechnen hätten. “Justice can only be achieved by getting rid of poor police supervisors and hiring and promoting supervisors who understand their duty to “protect and serve” all citizens, no matter their race and income.”

Guardian

http://www.theguardian.com/commentisfree/2014/aug/14/ferguson-occupation-peace-calm

Zu lang habe sie den amerikanischen Rechten auf Demonstrationen und freie Versammlungen Vertrauen geschenkt, kommentiert Roxane Gay im britischen “Guardian”. Damit sei angesichts Ferguson nun endgültig Schluss: “Ferguson is the site of an occupation happening in plain sight, and the police remain undeterred because they can occupy, [...] because they know they cannot be stopped.” Für Frieden, Stille und Ordnung zu plädieren, wie Präsident Obama es tue, könne nicht die Lösung sein. Nun müssten die politischen Entscheidungsträger aktiv werden, um das Rassismusproblem Amerikas ernsthaft anzugehen.

CNN

http://edition.cnn.com/2014/08/18/opinion/kohn-ferguson-pattern-of-racial-injustice/index.html

Die Demonstranten in Ferguson würden nicht nur Gerechtigkeit für Michael Brown wollen, sondern auch auf immer noch aktive, rassistische Muster hinweisen, kommentiert Sally Kohn für den amerikanischen Fernsehsender “CNN”. Die Tötung Browns und die Polizeigewalt bei den Protesten seien also nicht bloß unangemessenes polizeiliches Verhalten, sondern manifestierten eine rassistische Prägung Amerikas: “Every twist and turn of our society, our economy, our politics and our interpersonal interactions in America is tainted with racial bias.” Tiefgreifende Veränderungen im Verhalten von Polizisten seien nun dringend nötig, und diese könnten nur durch Proteste erreicht werden.

Foxnews

http://www.foxnews.com/opinion/2014/08/19/ferguson-fury-activists-journalists-stuck-in-160s-racial-resentments/

“The drama persists in part because so many journalists and academics, not to mention black activists, have so much invested in it”, schreibt Fred Siegel für den amerikanischen Sender “Fox News”. Leider seien die meisten dieser Leute mit ihrem Verständnis von Rassismus in den 1960er Jahren stehen geblieben. Zu vorschnell werde auch im Falle Michael Browns mit dem Stempel “Rassismus” um sich geworfen. Der Aufstand in Ferguson werde nun vor allem eines verursachen: enorme Kosten. Darunter hätten dann am Ende alle zu leiden, auch die Protestierenden.