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31. Juli 2014 - von Bastian Brauns

Don’t cry for my Staatspleite?

Die Zahlungsunfähigkeit Argentiniens

Fakten

  • Argentinien hat sich mit seinen Gläubigern nicht in letzter Sekunde noch auf eine einvernehmliche Lösung einigen können.
  • Argentinien rutscht damit bereits zum zweiten Mal innerhalb von 13 Jahren in die Zahlungsunfähigkeit.
  • Kritiker merken an, dass Argentinien eigentlich sehr wohl zahlen könne, aber mit der drohenden Staatspleite pokern würde.
  • “Seit Jahren führt Argentinien seine Gläubiger an der Nase herum”, kommentiert Christian Rickens hier auf SPIEGEL ONLINE. Man müsse zwar kein besonderer Freund von Hedgefonds sein, dennoch holten sie die Gläubiger lediglich zurück, was ihnen zustehe. Die verhältnismäßig geringe Summe von 1,5 Milliarden Dollar könne Argentinien leicht aufbringen. Der politischen Elite des Landes gehe es darum, die Legende von einem Argentinien als Opfer weiterzuspinnen, um selbst keine Verantwortung übernehmen zu müssen.

    “Argentinien hat seine Gläubiger in den vergangenen Jahren immer bezahlt”, schreibt Thomas Fischermann für “Zeit Online”. Wenn das Land jetzt den Geierfonds nachgäbe, würde das weitreichende Konsequenzen haben. Kommentare und Stimmen, die völlig vereinfacht behaupten würden, man müsse eben einfach seine Schulden bezahlen, seien schlicht nervig. Denn die Geierfonds seien bekannt dafür, Not leidende Anleihen sehr billig aufzukaufen, vor Gericht zu ziehen, um dann ihre Ansprüche durchzusetzen und so hochprozentige Renditen einzustreichen.

    Zwar werde kaum jemand mit den Hedgefonds sympathisieren, die Argentinien das Messer an den Hals setzten. “Doch sie haben das Recht auf ihrer Seite”, meint Carl Moses für “faz.net”. Denn Argentinien habe sich dem US-Recht unterworfen und jahrelang die Zahlungen verzögert. Die Geduld sei nun eben am Ende. Die argentinische Regierung habe zwar in letzter Zeit guten Willen und Einigungsbereitschaft gezeigt. Die sei nun aber zu spät gekommen.

    “Argentinien steht nicht vor der Pleite. Es riskiert nur das Label „Zahlungsunfähigkeit“, weil es die Schulden von Hedgefonds nicht begleicht”, schreibt Jürgen Vogt auf “taz.de”. Derartige Behauptungen seien sensationsheischend und geschickt gestreute Propaganda von Finanzmarktlobbyisten. Bis zum Jahresende könne sich das Land diesen Statur jedenfalls sehr gut leisten. Und gerade innpolitisch sei es von Vorteil, als Sündenbock für eine steigende Inflation die US-Hedgefonds zu haben.

    Obwohl das Land eigentlich zahlen könne, werden die Rating-Agenturen Argentinien als zahlungsunfähig einstufen, prophezeit Tobias Fülbeck für die “Huffington Post”. “Argentinien wird damit faktisch für pleite erklärt.” Weil der Ruf beschädigt wäre und kein Land mehr bereit wäre, Argentinien Geld zu leihen, wäre die Staatspleite ein gewaltiges Risiko. Die Argentinier würden aber lieber pokern.

    “Argentinien zeigt eine bemerkenswerte Arroganz im Umgang mit seinen Gläubigern”, kommentiert Sebastian Schoepp auf “Süddeutsche.de”. Der Bevölkerung werde damit einerseits sehr viel abverlangt. Andererseits stelle die Regierung Kirchner das spekulative System der Hedgefonds auf äußerst freche Art in Frage. Warum seien denn die vermeintlichen Schrott-Anleihen von Argentinien aufgekauft worden? Wohl bei man wie immer darauf spekuliere, dass sich Argentinien schon wieder erholen werde. Und bislang sei das auch immer gelungen.