Aktuell

31. Juli 2015 - von Christina Scholten

Der Eurotunnel – eine Metapher der europäischen Asylpolitik?

Wer trägt die Verantwortung in der Flüchtlingsmisere in Calais - Frankreich oder Großbritannien?

Fakten

  • In den vergangenen Tagen haben hunderte von Flüchtlingen versucht, vom französischen Ort Calais durch den Eurotunnel nach Großbritannien zu gelangen
  • Bei dem Versuch sind in den letzten Wochen mindestens zehn Menschen ums Leben gekommen
  • Der britische Premierminister hat wegen des großen Andrangs das Nationale Sicherheitskabinett einberufen

 

„In Europa wird viel von Menschenwürde gesprochen und Asyl nur unter Lebensgefahr gewährt“, schreibt Rudolf Balmer auf „taz.de“. Die Situation in Calais sei ein Sinnbild der „völlig perversen Flüchtlingspolitik“, denn immerhin würden alle europäischen Länder ein Asylrecht garantieren – und dafür würden die Flüchtlinge ihr Leben riskieren. Frankreich wie Großbritannien hätten ihren Höhepunkt an Zynismus mit ihrem momentanen Verhalten erreicht.

„Wir können nicht jedem eine Heimat geben“, schreibt Charlotte Knobloch in einem Gastkommentar für „bild.de“ zum Thema Asylpolitik. Denn auch uns würde das Geld dazu fehlen, jeden aufzunehmen. Deshalb sei es falsch, dass „Gesinnungswächter“ diejenigen Politiker „verunglimpfen“, sie sich in einer realistischen Weise dem Problem annehmen würden. Am wichtigsten sei es, den Menschen zu helfen, die aus größter Not kämen.

„Jeder versucht die Verantwortung an seinen Nachbarn abzuschieben“, schreibt Matthieu Verrier auf „La Voix du Nord“. Frankreich sei zu nachlässig, Großbritannien habe zu wenig Regeln für Arbeiter. Doch egal wie hoch die Mauern und Barrieren auch seien, sie würden die Anreize des „englischen Eldorados“ für Flüchtlinge nicht mindern. Es müsse jetzt eine gemeinsame Verantwortung übernommen werden.

„Die französische Regierung kann nicht damit weitermachen, sich vor ihrer Verantwortung zu drücken und die Probleme an Großbritannien weiter zu geben“, schreibt die Redaktion des „Telegraph“. Die französischen Grenzen zu schützen sei eben die Aufgabe Frankreichs. Doch anscheinend hielten die es für eine einfachere und günstigere Lösung, die Flüchtlinge auf ihrem Weg nach Großbritannien nicht zu stoppen. Ein solch nationaler Egoismus sei unakzeptabel.

„Dies ist weder ein rein britisches noch ein rein französisches Problem“, erklärt die Redaktion vom britischen „Guardian“. Es sei ein gemeinsames Problem, deshalb müsse es gemeinsam gelöst werden, so menschlich wie möglich – schließlich gehe es um menschliche Schicksale. Großbritannien brauche anstelle des Getues eine stärke Partnerschaft zu Europa.

Zwar gebe es keine leichte Lösung, aber weiterhin mit der Verantwortung zu spielen sei das Schlimmste, erklärt Florence Couret für „La Croix“. Es seien stärke Reaktionen zu erwarten als die, die der französische Innenminister und der englische Premierminister von sich gegeben hätten. Während die Verantwortung hin und her geschoben würde, würden die Flüchtlinge immer wieder ihr Leben aufs Spiel setzen.