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24. Juli 2014 - von Bastian Brauns

Boykott der russischen Fußball-WM

Ernsthafter Vorschlag oder lächerlich?

Fakten

  • Verschieden Politiker fordern von der Fifa, Russland die Fußball-WM 2018 zu entziehen.
  • Manche erwägen gar eine Austragung in Deutschland, gemeinsam mit Polen und der Ukraine.
  • Kritiker werfen den Hinterbänklern vor, ein billiges Sommerlochthema gefunden zu haben.

“Nehmt Putin die WM weg!”, fordert Hans-Jörg Vehlewald auf “Bild.de”. Es sei doch nur scheinbar so, als hätten Sport und Politik nichts miteinander zu tun. 1980 seien auch die Olympischen Spiele in Moskau boykottiert worden wegen des damaligen sowjetischen Überfalls auf Afghanistan. Putin dürfe 2018 nicht den sportbegeisterten Friedensengel mimen. Eine Fußball-WM habe im Land der Terror-Helfer nichts zu suchen.

Russland die WM wegnehmen zu wollen, lenke von der eigentlichen Frage ab, was es uns wert sei, Putin eine Grenze aufzuzeigen, schreibt Nikolaus Blome auf SPIEGEL ONLINE. Die Forderung sei eine reine Nebelkerze, denn: “Die EU-Staaten tun sich schwer, harte Wirtschaftssanktionen zu beschließen.” Wer sich auf die Fußball-Symbolik stürze, der mache sich schlicht lächerlich.

“Von allen denkbaren Sanktionen aber hat der Entzug einer Sportveranstaltung in vier Jahren den geringsten Effekt”, schreibt Robert Peters auf “RP Online”. Nicht durchsetzbare Forderungen zu stellen, gehöre zu den unvermeidlichen Nebengeräuschen des Sommertheaters. Es gehe dabei nur um die Schlagzeilen. Russland werde über diese Diskussion ohnehin nur müde lächeln.

“Politik hat sich da nicht einzumischen”, findet Rena Lehmann von der “Rhein-Zeitung”. Selbst wenn die Fifa Weltmeisterschaften nach umstrittenen Maßstäben gebe, es seien dennoch ihre eigenen. Die Gefahr der Instrumentalisierung durch Putin bestehe zwar. Aber wir wüssten ja gar nicht, wie der Konflikt in der Ukraine sich entwickele. Vielleicht sei eine Fußball-WM in Russland in vier Jahren sogar eine Chance zur Versöhnung.

“Die Debatte um die Fußball-WM ist dagegen überflüssig”, schreibt Sabine Faber für die Deutsche Welle. Es sei ein klassisches Sommerloch-Thema. Wirklich wichtig seien wirtschaftliche Sanktionen, die sofort wirkten. Wer könne außerdem jetzt sagen, wie sich die weltpolitische Lage bis 2018 ändern werde. Boykott von sportlichen Events sei lediglich symbolischer Natur und mache keinen wirklichen Eindruck auf Regierungen.

“Wer das fordert, weiß genau, dass das niemals passieren wird”, kommentiert Andreas Meyer-Feist auf “tagesschau.de”. Es sei derart selten, dass sich die Fifa von solchen Diskussionen beeindrucken lasse. Symbolische Boykotte zu fordern tue eben niemandem weh. Wirtschaftliche Sanktionen würden eben auch uns selbst zu schaffen machen. Viel sei seitens der europäischen Politiker noch zu tun, um Druck gegen Putin aufzubauen.