Aktuell

30. Mai 2015 - von Christina Scholten

Hat die Uefa versagt?

Oder hätte sie nicht anders handeln können?

Fakten

  • Trotz des Fifa-Skandals wurde Joseph Blatter am Freitag als Präsident wiedergewählt
  • Zwar hatte Blatter im ersten Wahlgang die Mehrheit der Stimmen knapp verfehlt, doch sein Konkurrent al-Hussein trat vor dem zweiten Wahlgang zurück
  • Die Uefa hatte sich zuvor entschieden, den Kongress nicht zu boykottieren – anstelle dessen bat Uefa-Chef Platini Blatter nur zum Rücktritt, erhielt von dem aber eine Absage
  • Nach seiner Wiederwahl mahnte Blatter seine Gegner mit den Worten: “Ich vergebe jedem, aber ich vergesse nicht.”

“Hätte Blatter eine Schein-Opposition aufgestellt, hätte die nicht stümperhafter agieren können als Platini und Co.”, schreibt Thomas Kistner auf “süddeutsche.de”. Die Uefa habe sich hinter dem farblosen Prinz Ali versteckt, anstatt Blatter eine starke Figur entgegenzusetzen. Das gute an Blatters Wiederwahl sei, dass die Fifa den US-Ermittlern damit einen Fedehandschuh hingeworfen hätten. Die Zeichen ständen gut, dass dabei etwas passieren würde, das außerhalb von Blatters Macht stünde. Einen vielleicht noch größeren Effekt als die Arbeit des FBI könne es haben, wenn der DFB mit anderen Fußballverbänden aus der Fifa austräten.

“Der Fifa-Skandal wird schon in sehr naher Zukunft vergessen sein”, kommentieren Christian Gödecke und Mike Glindmeier hier auf SPIEGEL ONLINE. Denn schon immer sei am Ende alles beim Alten geblieben. Da die UEFA gerade ein jämmerliches Bild abgebe, bedürfe es eines Aufschreis aus der Fangemeinde. Das Desinteresse müsse überwunden werden, Protest sei erforderlich. In der Form des Schweigens der Fans bei Spielen habe das schon einmal funktioniert. Die Verbände seien so zum Nachdenken genötigt – und es entstände eine Art direkte Demokratie im Fußball.

 

“Angesichts bröckelnder Blatter-Zustimmung haben die Europäer eine große Chance verpasst, den Erdrutsch auszulösen”, meint Berthold Mertes vom “General-Anzeiger”. Länder wie die USA und Neuseeland hätten sich abgewendet. Auch die Uefa habe es nur bei einer laschen Boykott-Androhung belassen. Die einzigen, die nun etwas gegen Blatter ausrichten könnten, seien die Sponsoren. Die müssten den Geldhahn zudrehen, denn das sei die einzige Sprache, die Blatter verstehe.

“Das System Blatter hat Schrammen bekommen, aber es funktioniert”, erklärt Holger Alich für das “Handelsblatt”. Die Wiederwahl zeuge von einem tiefreichenden Struktur-Problem bei der Fifa. Denn die Mitglieder würden so beweisen, dass sie keine Konsequenzen aus den Korruptionen ziehen wollten. Der entscheidende Reform-Impuls müsse von außen kommen. Die spiele zwar eine traurige Rolle beim Fifa-Spiel, es sei aber auch fragwürdig, ob Platini einen besseren Präsidenten abgegeben hätte.

“Die Uefa ist uneinig, viele ihrer Mitglieder sind selbst Teil der Fifa-Mafia”, analysiert Oliver Fritsch auf “Zeit Online”. Deshalb könne der Verband auch nicht als “Weißer Ritter” auftreten. Es wäre ein starkes Signal gewesen, hätten die Europäer die Wahl boykottiert, doch diese Chance sei vertan. Das Prinzip ‘Nimm das Geld, rette deinen Arsch und renn!’ gelte momentan nicht nur für die Fifa, sondern auch aus dem europäischen Clubs, die sich auch nicht gegen Blatter stellen würden.

 

“Europa muss Farbe bekennen: gegen die Korruption bei der Fifa; gegen Blatters Anspruch auf Alleinherrschaft”, kommentiert Paul-Nikolas Hinz auf “Focus Online”. Das letzte Mittel, das gegen Blatter bleibe, sei ein Boykott der WM seitens der Uefa. Denn Blatter habe gezeigt, dass unter ihm keine Reformen durchgesetzt würden. Platini müsse nun einen echten Konfrontationskurs begehen, das Bitten habe nicht gereicht.

“Blatter alleine ist nicht das Problem”, meint Francois Schmidt-Bechtel von der “BZ Basel”. Ohne ihn würde es bei der Fifa auch nicht besser werden. Es sei egal, wie die Gallionsfigur heiße, sie würde den Sumpf der Korruption nicht trockenlegen. Auch der ‘deformierte’ Platini könne nichts verändern, denn sein Verhalten und das der Uefa hätten den Eindruck erweckt, dass alle nur ihre eigene Haut retten wollen würden.