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20. April 2014 - von Sara Steinert

Ei der Graus!

Wie artgerecht sind unsere Eier?

Fakten

  • In Deutschland ist die Käfighaltung seit 2010 verboten. Immer neue Skandale – wie zuletzt der „Neuland Skandal“ – zeigen, dass eine Verbesserung für die allermeisten Hühner noch immer nicht eingetreten ist.
  • Unhygienische Zustände, Federpicken und Verhaltensauffälligkeiten sowie Entzündungen sind für Tierschützer die nicht zu duldenden Begleiterscheinungen der Massentierhaltung.
  • 2,9 Millionen Hühner leben mittlerweile in Bio-Ställen, 5,4 Millionen in Freilandhaltung und 22 Millionen in Bodenhaltung.
  • Bodenhaltung wird mit 64 % am häufigsten von den Deutschen gekauft. Die Preise hierfür wurden zuletzt vom Discounter Aldi auf 99 Cent für eine 10er Packung herabgesetzt.

Auch in der Biobranche gäbe es Tierschutzprobleme, schreibt Jost Maurin auf “taz.de”. Die Haltungsbedingungen seien dort zwar besser als in konventionellen Betrieben, doch gesetzliche Schlupflöcher und ungenaue Definitionen sorgten dafür, dass es immer wieder zu Skandalen komme. Auch die EU-Kommission schaffe es nicht die Probleme zu lösen und liefere damit eher ein “Dokument der Hilflosigkeit” ab.

Das Hauptproblem sei der enorme Kostendruck den die Discounter auf die Betriebe ausübten, meint Anne Guhlich in den “Stuttgarter Nachrichten”. Der Bauer könne es sich weder leisten auf Ketten und Discounter als Abnehmer zu verzichten, noch sei seine Marktmacht so groß um sich dem Preisdruck zu widersetzen. Der Verbraucher sei gefragt, der erkennen müsste, dass “Landwirtschaft nie so aussehen kann wie in den Werbeprospekten und dass faire Tierhaltung einen fairen Eierpreis erfordert.”

Es gäbe “Verletzungen in allen Haltungsformen”, urteilt Ronja Münch bei Mephisto 97,6. Auf dem Papier seien die Bedingungen für Hühner in Freiland- und Bodenhaltung besser, als in der Käfighaltung. Es komme aber häufiger zu Verletzungen und Tötungen als in der Käfighaltung. Schuld daran sei die Anzahl der gehaltenen Tiere die nicht selten bis zu 6.000 beträgt. Männliche Küken seien unerwünscht, da sie weder zur Mast noch zum Eier legen taugten. Über 40 Millionen von ihnen würden daher jährlich umgebracht.

Erschreckende Bilder der Tierschutzorganisation “Animal Equality” im “ARD Mittagsmagazin” würden belegen, den Hühnern in Freilandhaltung gehe es nicht unbedingt besser. Auch hier würden die Hühner an kahlem Gefieder, eitrigen Entzündungen und Verhaltensstörungen leiden. “Die Zustände in der Massenhaltung seien kaum zu verbessern, der Fehler liege einfach im System.” Wer genau wissen wolle, ob er guten Gewissens sein Frühstücksei verzehren könne, der müsse schon zum Bauern nebenan in den Stall.

Für die Tierrechtsorganisation Peta ist klar: “Wo Tiere gehalten werden und Profitinteressen sind, gibt es keine guten Eier.” Der Konsument solle daher auf komplett auf Verzehr und Verbrauch von Eiern zu verzichten, berichtet Lukas Gedziorowski im “Journal Frankfurt”. Nur so könne man verhindern, dass jährlich 50 Millionen männliche Küken wegen Unbrauchbarkeit getötet würden.

“Die meisten Ostereier finden den Weg in unsere Osternester auf Kosten der Hennen”, meint Ingrid Lukas in der österreichischen “Kronen Zeitung”. Nur ein Drittel der heimischen Eier stammten aus Freilandhaltung, und selbst die sei nur eine mildere Form der Massentierhaltung, die darauf abziele, dass jede Henne möglichst viele Eier lege, bevor sie mit 14 Monaten getötet werde. “Die Nachfrage, sprich der Konsument, bestimmt das Angebot!”

Bild: wikimedia commons