Aktuell

24. August 2015 - von Pia Frey

Zensur im WDR?

Plasbergs umstrittene Talksendung zur Gender-Debatte

Fakten

  • Das WDR löschte nach harscher Kritik eine Sendung der Talkshow “Hart aber fair”.
  • Unter dem Titel “Nieder mit den Ampelmännchen – Deutschland im Gleichheitswahn?” diskutierten die Gäste bei Plasberg zum Thema Gender.
  • Mehrere Frauenverbände hatten beim Rundfunkrat Programmbeschwerde eingelegt; die Beschwerde wurde zwar abgelehnt, der Rat bezeichnte die Sendung aber als ‘unseriös’.
  • Auf YouTube kann man das Video noch immer in ganzer Länge anschauen.

“Man kann die #Plasberg -Sendung doof oder geschmacklos finden.Gern soll man sie scharf kritisieren.Zensieren sollte man sie aber keinesfalls”, schreibt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen Konstantin von Notz auf Twitter.

“Das ist verstörend, nicht nachvollziehbar – und fördert nicht das Vertrauen in die Medien”, meint Nicolai Franz für das “Christliche Medienmagazin Pro”. Die Entscheidung des Rundfunkrats sei widersprüchlich. Es sei falsch gewesen, die Programmbeschwerde abzulehnen und im gleichen Atemzug die Sendung als ‘unseriös’ zu bezeichnen. So sei ein theoretisch gutes, demokratieförderndes Instrument beliebig gemacht worden.

“Der WDR setzt auf Zensur”, meint Michael Hanfeld von der “Frankfurter Allgemeinen”. Der Sender nehme Zuschauern die Möglichkeit sich eine eigene Meinung zu bilden . Ein krasseres Versagen einer journalistischen Institution sei kaum denkbar. Wo eine Diskussion über Gender beginnen müsse, beuge sich die Anstalt gegenüber jenen, die Sprechverbote erteilen wollten.

“Irrsinn bei der ARD!”, titelt die “Bild”. Julian Reichelt schreibt, es sei eine gefährliche Entwicklung, dass ein Gremium aus Politik, Kirchen und Verbänden entscheiden könne, was seriöser Journalismus sei

“Hat der Rundfunkrat nichts besseres zu tun?”, fragt Sophia Thomalla, die selbst Talkgast in der Runde bei Plasberg war, auf “Stern.de”. Sie finde es erschreckend, dass feministische Extremistinnen den Rundfunkrat zu solch einer Entscheidung bringen könnten. Meinungsfreiheit sehe anders aus.

“So sinnfrei kann eine Debatte über Wortwendungen sein”, schreibt Thomas Moßburger für “Focus”. Der Diskussion zuträglicher sei es wahrscheinlich, wenn man sie fernab von Ampelmännchen und Unisex-Toiletten führe. Neben solcher Stammtisch-Genderwahn-Themen sei in der Sendung nur wenig Zeit für echte Probleme, wie ungleiche Bezahlung und sexuellen Missbrauch, geblieben.