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25. August 2015 - von Pia Frey

Chinas Kriseln

Sind die glorreichen Zeiten der chinesischen Volkswirtschaft vorbei? Wie gefährlich ist die Lage für die Weltwirtschaft und Europa?

Fakten

  • Am “Schwarzen Montag” verzeichnete der chinesische Aktienmarkt den stärksten Kursrutsch seit acht Jahren.
  • In der Folge fielen die Aktienkurse weltweit – vor allem bei Rohstoffexporteuren und in Schwellenländern.
  • China galt in den letzten Jahre als Überflieger und Wachstumsmotor für die Weltwirtschaft.

“Wenn China schwere wirtschaftliche Probleme hat, dann betrifft das die ganze Welt”, meint Lisa Nienhaus für die “Frankfurter Allgemeine”. Chinas Wirtschaft gehe es offenbar weitaus schlechter als vermutet. Vor allem Länder, die vom Verkauf von Öl lebten, müssten sich jetzt auf härtere Zeiten gefasst machen: Wenn der Großabnehmer China schwächelt, spüre man das dort zuerst. Hierzulande stünde aber kein Absturz in die Rezession bevor.

“Es läuft etwas grundfalsch im globalen Kapitalismus”, analysiert Wolfgang Münchau für SPIEGEL ONLINE. Chinas Crash sei die dritte Großblase der weltweiten Finanzkrise. Die lokal ausgelösten Krisen hätten globale Auswirkungen. Die fetten Jahre seien vorbei. Aber genau darauf baue die Währungsunion: Die Weltwirtschaft müsse brummen um unsere Exporte abzukaufen – das Wachstum habe sich jedoch verlangsamt.

Die Nervosität ist zurück”, meint Heike Buchter auf “ZEIT Online”. Noch erlebten wir keine globale Krise im Finanzsektor. Die Kurse hätten sich nach dem kurzzeitigen drastischen Fall wieder erholt. Der Schock am Montag habe die Marktteilnehmer aufgeweckt. Es könne jedoch ein Abwärtstrend eintreten. Würde der sich verselbstständigen, sei das gefährlich. Der Markt sei aber wieder wachsam. Und das sei gut so.

“Für das Weltfinanzsystem und auch die deutschen Börsen sind die Kursverluste in Fernost zunächst nicht viel mehr als eine Korrektur der Übertreibungen zuvor”, kommentiert Helmut Schneider von der “Südwest Presse”. Bisher handle es sich noch um ein chinesisches Binnenproblem. Sollte Chinas Wirtschaftswachstum jedoch an seine Grenzen gekommen sein, drohe das weltweite Wachstum zu stagnieren. Eben diese Befürchtung hätte sich an den Finanzmärkten gezeigt.

“Der Crash an den Märkten weltweit ist nachvollziehbar – doch noch gibt es Hoffnung”, meint Carla Neuhaus vom “Tagesspiegel”. Eigentlich sei der chinesische Aktienmarkt weltweit zu unbedeutend, um einen Kurssturz zu rechtfertigen. Vielmehr zeige sich hier die Angst vor einer schwächelnden chinesischen Konjunktur. Von einem Einbruch wären sowohl deutsche Konzerne als auch rohstoffexportierende Länder betroffen. Deutschlands Exporte in die USA und nach Großbritannien könnten diese Entwicklung hierzulande aber auffangen.

“Die kommunistische Glücks-Story verliert an Glanz”, schreibt Stefan Stahl von der “Augsburger Allgemeinen”. Die politische Führung Chinas habe es lange Zeit geschafft, ihrem Volk einen gewissen Wohlstand zu bescheren. Das gerate nun ins Wanken. Besonders die fortlaufende Zerstörung der Umwelt werde als Problem erkannt. Die Politik sei zu einem Umdenken gezwungen. Nur mit einem intelligenteren und damit sozialeren und ökologischeren Kapitalismus könne sich die Führung langfristig halten. Zum Beispiel mit deutscher Umwelttechnologie. Davon werde auch die hiesige Wirtschaft profitieren.