Aktuell

13. August 2015 - von Pia Frey

Pro Prostitution?

Amnestys Vorstoß zur Entkriminalisierung des Gewerbes

Fakten

  • Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International will für eine Entkriminalisierung der Prostitution kämpfen.
  • Das entschieden die Delegierten aus aller Welt in Dublin beim International Council Meeting, einer Art Hauptversammlung.
  • Dafür erntete die Organisation viel Kritik, unter anderem vom Bündnis Koalition gegen Frauenhandel.

Mit einem Verbot schafft man erst recht jene kriminellen Strukturen, die man gerne verhindern möchte”, meint Martin Reichert auf “taz.de”. In einer idealen Welt würde es zwar keine Prostitution geben. Da befänden wir uns aber leider nicht. Amnestys Vorstoß gegen die Stigmatisierung von Prostituierten sei mutig – Das sei aber schließlich auch die Aufgabe einer Menschenrechtsorganisation.

“Amnesty hat statt für Moral für Menschenrechte votiert. Bravo!”, kommentiert Beate Hinrichs für die “Deutsche Welle”. Die Forderung sei ein Vorstoß für die Menschenrechte von Sexarbeitern und Sexarbeiterinnen und gegen den Menschenhandel. Freiwilillige Sexarbeit und Menschenhandel seien zweierlei Dinge. Eine Entkriminalisierung würde dafür sorgen, dass Kunden oder Polizisten die Prostituierten nicht als Freiwild betrachten würden.

“Dass Amnesty Zuhältern nicht verbieten will, was Prostituierten erlaubt sein soll, ist bitter, aber konsequent”, schreibt Constanze von Bullion für die “Süddeutsche Zeitung”. Staaten wie Schweden hätten das Problem mit Strafen für Zuhälter und Freier im eigenen Land zwar eingedämmt. Die Freier aber zögen weiter. Durch ein Verbot schwinde das brutale Geschäft Prostitution nicht. Da helfe nur die konsequente Trennung zwischen freiwilliger Prostitution und verbotenem Menschenhandel.

“Das ist das unrühmliche Ende einer Menschenrechts-Organisation”, kommentiert die Redaktion der feministischen Frauenzeitschrift “Emma”. Mit einer Nicht-Verfolgung von Frauenhändlern, Zuhältern und Bordellbetreibern liefere Amnesty Prostituierte nur noch stärker aus. Prostituierte würden in unseren Breitengraden schon lange nicht mehr verfolgt.  Deshalb würden mit einer Entkriminalisierung diejenigen, die Milliarden an dem Handel mit Frauen verdienen, vor Bestrafung geschützt.

“Nicht die Legalisierung der Prostitution hilft Frauen, sondern Schulbesuch und Berufsausbildung”, meint Tatjana Coerschulte für die “HNA”. Die Idealisten von Amnesty müssten einsehen, dass sich seit der Freigabe der Prostitution vor 13 Jahren  bundesweit nur 50 Frauen als selbstständige Prostituierte gemeldet hätten – obwohl es 250.000 Frauen im Gewerbe geben solle. Amnestys Schuß sei nach hinten logegangen!

“Der Aufschrei entlarvt nicht Amnesty, sondern die Gegner”, kommentiert Burkhard Ewert für “Neue Osnabrücker Zeitung”. Legalisierung einvernehmlicher Prostitution sei der bessere Weg um Missständen zu entgegnen. Vielleicht gerate ja der ein oder andere ins Nachdenken, ob ein Reglementierungswunsch nicht eher aus Prüderie oder verletztem geschlechtlichen Stolz  als aus einer Besorgnis um Prostituierte herrühre.