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23. January 2015 - von Kirstin MacLeod

Modezirkus oder große Kunst?

Wird die Berliner Fashion Week jemals relevant sein?

Fakten

  • Vom 19. bis 23. Januar fand in Berlin die Fashion Week statt.
  • Die größte deutschte Modemesse “Bread&Butter” wurde kurz vor Beginn der Fashion Week abgesagt.
  • Berliner Designer zieht es in Ausland und etablierte deutsche Marken, wie Hugo Boss, zeigen gar nicht erst in Berlin. Die Modewoche der Hauptstadt erntet mehr Kritik als je zuvor.

Ob die Fashion Week jemals relevant sein werde? Vielleicht, meint Alex Bohn auf “Zeit Magazin Online”. Denn “mit ein bisschen Glück muss Berlin sich in Zukunft nicht mehr mit New Yorker Federn schmücken.” Die Neugründung des “German Fashion Design Council” unter der Schirrmherrschaft von Vogue-Chefredakteurin Christiane Arp sei ein Schritt in die richtige Richtung. Deutsche Talente könnten nun endlich vor Ort gefördert werden, und müssten nicht mehr ins Ausland abwandern.

“Berlin steht als Modestandort an einem Scheideweg”, hält Christiane Arp von der “Vogue” auf der gemeinsamen Stilkonferenz mit dem Zeit Magazin fest. Mode sei in Deutschland viel zu unterschätzt. Nachwuchsdesigner bekämen deshalb häufig nicht die Förderung, die sie brauchten. Dass deutsche Designer im Ausland ihr Glück suchten, sei per se eine gute Sache. Es zeige, dass die Berliner Talente zu weit mehr fähig seien, als ihr Ruf bisher erlaube.

Es gebe noch Hoffnung, meint Mira Wiesinger von “Welt ICON”. “Deutsche Mode ist absolut salonfähig.” Platformen wie der Berliner Modesalon seien der Beweis dafür. Die Qualität der gezeigten Designs sei unschlagbar und das kreative Potential Berlins als Modestandort noch lange nicht ausgeschöpft.

In der “TextilWirtschaft” heißt es sogar, dass die Bedingungen für eine Weiterentwicklung der Fashion Week nie besser waren: “Soviel Euphorie herrschte lange nicht mehr”, meint Anja Probe. Trotz des Wegfalls der “Bread&Butter” habe es Berlin geschafft, sich als wirtschaftlich tragbarer Messestandort zu etablieren – allen Vorurteilen zum Trotz.

Nüchterner sieht es Sabine Spieler von der “Frankfurter Allgemeinen” zu Beginn der Modewoche. “Die Fashion Week hat schon einige zugkräftige Marken verloren, darunter Escada, Strenesse und Rena Lange. (…) Auf dem Schauenkalender wimmelt es von Unbekannten.” Ob das ein langfristiger Nachteil für Händler und Kunden seien werde, müsse bis zur nächsten Saison abgewartet werden.