Aktuell

23. May 2013 - von Ruprecht Thielmann

Champions League: Das deutsche Finale

Fakten

DIE FAKTEN

  • Am Samstag findet das Finale der Champions League im Londoner Wembley Stadion statt.
    Zum ersten Mal in der Geschichte dieses Wettbewerbes stehen sich dabei zwei deutsche Mannschaften gegenüber.
  • 910,3 Millionen Euro schüttet die UEFA auf die 32 teilnehmenden Clubs aus. Allein auf die beiden Finalisten werden dabei Beträge von über 50 Millionen Euro entfallen, Sponsorengelder und Eintritte nicht mit eingerechnet.
  • Jürgen Klopp sieht im BVB “James Bond” und in den Bayern “Den Bösewicht”.
  • Mehr als die Hälfte aller Deutschen sympathisiert mit einem Zug der Dortmunder, nur 21 Prozent mit den Bayern.

DER MEINUNGSKOMPASS

DAS CHAMPIONS LEAGUE FINALE

DER SCHLAGABTAUSCH

Wer wird gewinnen?

sport1Es könnte ein durchaus ungemütlicher Abend für Dortmund werden, mutmaßt Sport 1. Insbesondere die Abwehrt schwächelt, hat diese Saison viel zu viele Gegentore zugelassen und jetzt ist auch noch Abwehrchef Mats Hummels angeschlagen. Auch individuelle Fehler bereiten Kopfzerbrechen. Mit den Bayern trifft Dortmund auf eine torgewaltige Maschine die sich in dieser Saison kaum eine Blöße hat geben müssen.

BRFC Bayern wird als Sieger aus dem Finale gehen, glaubt auch der Bayerische Rundfunk. Insbesondere seit sich auch die Münchner Philarmoniker dem Finale angenommen haben und den Bayern auf  Youtube Motivationsmusik spielen. Die Vormachtstellung im deutschen Fussball ist für den BR wieder hergestellt – und das nicht erst seit die Bayern Götze verpflichtet haben.

Bildschirmfoto 2013-05-23 um 11.32.40Schwatzgelb hingegen zählt eine lange Liste an guten Vorzeichen auf, die auf einen BVB-Sieg hoffen lassen. Warum die “glorreiche Borussia” den Henkelpott mit in den Pott nehmen wird? Weil auch schon 1997 alle Umstände auf eine Dortmunder Nebenrolle hinwiesen, die sie damals zu ihrem Vorteil nutzen konnten.  Wie 1997 wurde der BVB auch diese Spielzeit nach zwei gewonnen Meisterschaften in Folge nur Zweiter. Wie 1997 steht auch dieses Jahr der VFB Stuttgart im Finale und wie 1997 wurde auch diese Spielzeit ein Spieler von Bayer Leverkusen Torschützenkönig. 1997 sagt alles: Sieg für Schwarz-Gelb.

NZZDie NZZ aus Zürich sieht den BVB gegenwärtig zwar als ein hervorragend spielendes Kollektiv- der Sieg aber wird den Bayern gehören. Zu stark ihre Dominanz und spielerische Qualität. Nur eine Mannschaft zusammenzuschweißen wie Trainer Jürgen Klopp es getan hat, reicht nicht. Trotzdem hat Klopp einen gewaltigen Anteil an der Stärke deutscher Mannschaften im internationalen Fußball.

zeitDie Zeit ist gleich in mehreren Artikeln vom Sieg der Bayern überzeugt (hier und hier). Warum?  Bayern setzt auf etablierte und vollausgebildete Spieler, während in Dortmund dem Nachwuchs der größere Stellenwert zukommt. Eine Annäherung an das Spiel der Borussen, hoher Einsatz und individuelle Klasse tragen dazu bei, dass die Bayern wieder Bundesliga und Gegner dominieren. Das Finale ist klar: Die Bayern sind die Besten, die alles wegräumen.

sueddeutscheZustimmung von der Süddeutsche Zeitung: Bayern wird siegen, das ist nicht erst seit der verletzungsbedingten Absage durch Mario Götze klar. Insbesondere Franck Ribery wird in diesem Spiel eine Schlüsselrolle zufallen. Bisher hat der quirlige Franzose sich in München noch nicht beweisen können, doch dieses Saison ist die Beste, die Ribery in München je gespielt hat. Großen Anteil daran hat das familiäre Umfeld der Bayern, das dem sensiblen Franzosen seine diversen Eskapaden – Rotlichtaffäre, Trainingsboykott, etc. – verziehen hat.

Wie sind die Reaktionen auf ein rein deutsches Finale?

tagesspiegelIst die Bundesliga mit dem deutsch-deutschen Finale zur besten Liga der Welt aufgerückt?, fragt sich der Tagesspiegel. Nein, denn der jetzige Stand ist nur eine Momentaufnahme, die ab nächster Saison wieder ganz anders aussehen kann. In puncto Wirtschaftlichkeit und Nachwuchsausbildung aber setzt die Bundesliga in Europa Maßstäbel: niedrige Preise, Stehplätze und keine Eigentümerschaft von Investoren.

börsenbloggerIn Sachen Wirtschaftlichkeit sehen auch die Börsenblogger positive Folgen, insbesondere für den BVB, die einzige handelbare Fußball-AG in Deutschland. Die Stärke der Borussen wirkt sich direkt auf die Kursentwicklung aus und so sind die Aktionäre des Vereins schon heute, unabhängig vom Finale, die Gewinner der Saison. Über 50 Prozent hat das Papier über die Spielzeit zugelegt.

dtjDas Deutsch-Türkische Journal attestiert dem Spiel außerdem große politische Brisanz: Ein reindeutsches Finale im Mutterland des Fußballs hat eine Symbolik, die über den Sport hinausstrahlt. Die Dominanz sollte nicht nur auf den Sport beschränkt sein – auch in der Politik soll Deutschland endlich die von Vielen ersehnte Führungsrolle übernehmen. Das mononationale Finale kann hoffentlich das schwache Selbstbewusstsein der Deutschen stärken.

TheEuropeanDas Machtverhältnis in der Champions League markiert für den European erst den Anfang einer beginnenden Dominanz der Bundesliga. Verantwortlich für den wachsenden Erfolg ist – anders als der Tagesspiegel meint – gerade das Financial Fairplay. Der 25. Mai wird nicht nur Endspieltag sein, sondern vielmehr Feiertag über die Hybris und den Größenwahn europäischer Vereine. Die Dortmunder und Bayern sind den Teams von Ölscheichs und Milliardären nicht nur ebenbürtig, sondern eventuell sogar überlegen. Egal, wer am Samstag gewinnt: “Dortmund oder Bayern – Hauptsache Deutschland”!

 

Bild: Lambot