Aktuell

7. September 2015 - von Pia Frey

Maßloser Streik?

Ist der 13. Streik der Pilotenvereinigung Cockpit noch nachvollziehbar?

Fakten

  • Nach gescheiterten Verhandlungen kündigte die Pilotenvereinigung Cockpit für diesen Dienstag einen erneuten Streik an
  • Es ist der 13. Streik in den laufenden Tarifverhandlungen
  • Lufthansa-Chef Carsten Spohr möchte mit dem Tochterunternehmen “Eurowings” verstärkt auf eine konkurrenzfähige Billig-Airline setzen – zum Unmut der Piloten, die u.a. über den Konzerntarifvertrag verhandeln
  • Die Streiks haben die Lufthansa nach Unternehmensangaben bisher mehr als 300 Millionen Euro gekostet

 

“Spohr muss es endlich gelingen, auch das fliegende Personal von seinen Ideen zu überzeugen”, kommentiert Jens Koenen vom “Handelsblatt”. Denn er habe bisher dabei versagt, seine Pläne für das Unternehmen auch an die Piloten und Co. erfolgreich heranzutragen, dabei seien sie aufgrund ihrer Kundennähe gerade für eine erfolgreiche Umsetzung wichtig. Ihnen ginge es beim Streik darum, Pfründe und Privilegien zu verteidigen. 

 

“Die erneute Streikdrohung vermittelt den Eindruck, der Pilotengewerkschaft sei das rechte Maß für ihr Handeln abhandengekommen”, schreibt Karl-Heinz Büschmann auf “süddeutsche.de”. Die Lufthansa-Piloten hätten nach wie vor einen gut bezahlten Job, das sollten sie einsehen. Der Konkurrenzdruck und die hohen Pensionslasten könnten das Unternehmen zu Grunde gehen lassen – und dann müssten die Piloten bei anderen Fluglinien unter ganz anderen Bedingungen arbeiten.

“Es ist längst nicht mehr nachvollziehbar, was sich im Detail zwischen dem Vorstand der Lufthansa und der Pilotenvereinigung Cockpit (VC) abspielt”, meint Rolf Obertreis von der “WAZ” zu den Verhandlungen zwischen den Parteien. Voranbringen würde es jedoch niemanden: Die Lufthansa könne mit diesen Streiks nicht weitermachen, die Piloten “sägen an dem Ast, auf dem sie selbst sitzen”.

 

 

“Die Piloten müssen endlich einsehen, dass ihr Kampf gegen die Eurowings längst verloren ist”, erklärt Panagiotis Koutoumanos für die “Frankfurter Neue Presse”. Zu lange hätten die Piloten  Spohrs Pläne für den wirtschaftlichen Erhalt der Lufthansa nicht ernst genommen, nun sei es zu spät. Die einzige Lösung sei nun eine Kompromiss-Bereitschaft ihrerseits, um die Lufthansa nicht zu gefährden.

 

 

 

“Natürlich lässt sich darüber diskutieren, ob Spohrs Weg der Zweiteilung richtig und erfolgversprechend ist”, meint Klaus-Dieter Oehler auf “stuttgarter-zeitung.de”. Doch dies dürfe nicht auf Kosten der Passagiere gehen. Es gehe der Gewerkschaft nicht um Tarife, sondern um Mitspracherecht bei der Unternehmensstrategie. Doch die Verhandlungen könnten allen schaden, wenn die Lufthansa durch die Streiks ihr Ansehen als zuverlässige Airline verliere.

 

 

 

“Der Egoismus der Lufthansa-Kapitäne ist bezeichnend für den Zustand Deutschlands insgesamt”, kommentiert Steffen Range auf “schwäbische.de”. Die Piloten der “satten Generation” würden nur für Privilegien aus einer vergangenen Zeit streiken, obwohl ihr Arbeitgeber in Gefahr sei. Die Lufthansa könne sich solche Gehälter nicht mehr leisten. Solche “Egotrips” wie die der Piloten gingen auf die Kosten der nachfolgenden Generation.