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27. March 2015 - von Pia Frey

Das Echo der Langeweile?

Helene Fischer räumt bei den diesjährigen Echos vier Preise ab

Fakten

“Eine besonders unangenehme Veranstaltung”, kommentiert Felix Bayer hier auf SPIEGEL ONLINE. Die Echos 2015 seien die erwarteten “Helene-Fischer-Festspiele” geworden. Dass die Verleihung  aber als besonders unangenehme Austragung in Erinnerung bleiben werde, daran trage Helene Fischer eigentlich gar keine so arg große Schuld. Vielmehr habe die Moderation Schönebergers nach einer anfänglichen Schweigeminute zu sehr nach “Schluss mit Trauern” geklungen. Auch die musikalischen Darbietungen hätten die komplizierte Stimmung nicht wettmachen können. Über die Zukunft des Echos solle man sich Gedanken machen.

“Helene Fischer ist nun einmal der Bausparvertrag der deutsch-konservativen Musikszene”, schreibt Anja Perkuhn für die “WAZ” in Bezug auf die erfolgreichste Preisträgerin. Am Ende habe Helene Fischer gefühlt sogar in den Kategorien gewonnen, in denen sie nicht nominiert war. Dass keine große Partylaune aufkam, habe natürlich vor allem an dem Flugzeugunglück gelegen, aber eben nicht nur. Moderatorin Schöneberger habe im Sekundentakt halbironische Kommentare ausgespuckt, von denen nicht alle funktioniert hätten.

“Zu den amerikanischen Grammys verhalten sich die Echos in etwa wie die ‘Lindenstraße’ zu ‘House of Cards'”, findet Felix Johannes Enzian in der “Frankfurter Allgemeinen”. Und das, obwohl Deutschland eigentlich einer der wichtigsten Märkte für Popmusik sei. Die  House-Rhythmen des prämierten Helene-Fischer-Songs “Atemlos” seien so unerotisch und gestrig, dass man eher an einen gemeinsamen Frühjahrsputz alter Nachbarn mit Sekt und Kuchen denken müsse.

“Doch, auch diese Echo-Verleihung hatte ihre Momente”, findet Sebastian Zabel vom “Rolling Stone”. Auch dank Moderatorin Schöneberger sei der Abend an surrealen Situationen nicht arm gewesen. Aber natürlich sie die Veranstaltung mit drei Stunden zu lang, und man vermisse nur ein paar Minuten, in denen es nicht um Verkaufszahlen und kommerziellen Erfolg gehe. Gut, dass wenigstens Deichkind aufgetreten sei und mit ihren “Refugees Welcome”-Kostümen für einen politischen Moment gesorgt hätten. Aber auch klar, dass sie keinen Echo bekamen.

“Beim Echo wird Jahr für Jahr deutlich, dass Deutschland eines nicht kann: Awardshows”, urteilt Andrea Zschocher für den “Stern”. Die Anmoderationen der verschiedenen Kategorien sei so spaßbefreit gewesen, dass es beim Zuschauen weh getan hätte. Dass immer die gleichen Künstler, teilweise über Jahre für die gleichen Kategorien nominiert werden, liege in der Natur des Echos: Da möge der ein oder andere Sieger überraschen, aber es zähle eben nicht der eigene Geschmack, sondern der Geschmack der Massen.

“Gala ja, Spannung nein”, befindet Rick Fulker für die Deutsche Welle. Etwas mühselig habe die Moderatorin Barbara Schöneberger versucht, Spannung in den Ablauf zu bringen. Das sei schwierig, weil die Gewinner weitgehend vorhersehbar waren. Die einzige Überraschung des Abends hätte der Radio-Echo per Telefonwahl durch das Fernsehpublikum sein können. Doch auch der ging – recht erwartbar – an Andreas Bourani und seinen Hit “Auf uns”.