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12. February 2015 - von Pia Frey

Kino-Bondage-Märchen

Wie gewagt ist "Fifty Shades of Grey"?

Fakten

  •  Die Erotik-Bestseller-Trilogie “Fifty Shades of Grey” von E.L. James ist ursprünglich Fanfiction zum Vampir-Film “Twighlight”.
  • Am Mittwoch feierte die Romanverfilmung, die sich auf Papier gedruckt weltweit über 70 Millionen Mal verkaufte, auf der Berlinale Weltpremiere.
  • Plot: Die naive Literaturstudentin Anastasia (Dakota Johnson) wird von dem unnahbaren Milliardär Grey
    (Jamie Dornan) in die Welt softer SM-Liebe eingeführt.

Der Film ist wirklich nur eine weitere Hollywood-Schmonzette mit Märchenstory. Gut, und Peitsche“, schreibt Anne Haeming hier auf SPIEGEL ONLINE. Dezent sei im Film nichts, nicht mal die Schleichwerbung. Bemerkenswert hingegen, dass eine Frau Regie führte, eine Frau das Drehbuch schrieb und eine Frau die Hauptrolle besetzte. Doch jede Kondompackung knistere lauter als die Verfilmung. Im Vergleich zum Buch sei “Sex” nur in Spuren zu finden.

“Bis auf wenige Längen hält der Film seine Spannung bis zum Schluss”, schreibt Sahra Schaschek für “Zeit Online”.Weil 500 Seiten in einen Kinofilm passen müssen, laufe zwar vieles im Zeitraffer ab. Der Film schöpfe jedoch seine Spannung daraus, dass niemals Klarheit über die Kräfteverhältnisse in der Beziehung von Grey und Ana herrsche. Pornographisch sei der Film zwar nicht, laufe aber gerade in den berüchtigten Szenen zur Bestform auf: etwa wenn er zeigt, wie die Protagonistin zum ersten Mal unter die Peitsche gerät.

“Das ist Mainstream-Sex!”, urteilt Norbert Körzdörfer für die “Bild”. Der Film sei ein gepeitschtes augenzwinkerndes Liebesmärchen mit Lust auf Sadomaso an – doch keinesfalls ein Porno. Eine Sensation solle man also nicht erwarten, es sei alles viel softer als im Ich-Buch. Bei “Fifty Shades of Grey“ handle es sich schlussendlich um einen Liebesfilm. Aber es sei einer, der in seiner verführerischen Naivität die Sexualität weltweit aufpeitschen könne.

“Die expliziten Szenen halten sich in Grenzen”, schreiben Sarah Stendel und Sophie Albers Ben Chamo für den “Stern” über das “SM-Bondage-Märchen”. Die Haltung des Films, man könne Menschen durch wahre, unerschütterliche Liebe retten, macht “Fifty Shades of Grey” letztlich zu nichts anderem als einem Krankenschwestersyndrom-Streifen, den man sich getrost mit seiner Mutter ansehen könne.

“Die Verfilmung ist nicht nur psychologisch lahm – statt Sadomaso gibt es Blümchensex”, kommentiert Susan Vahabzadeh für “sueddeutsche.de”. Grey sei weniger Sadist, eher ein Patriarch der Träume, der mit teuren Geschenken die Macht über Studentin Anastasia zu kaufen versucht – was zum Bedauern gelinge. Verstörend sei vor allem die Deutlichkeit, mit der Regisseurin Sam Taylor-Johnson eine Geschichte von Arm und Reich erzählt.

“Seichte Romanze statt Softporno”, kommentiert Anna Wollner für den “rbb”. Die Dialoge der Protagonisten seien ähnlich flach wie im Roman selbst. Mit Selbstironie wäre das kein Problem, doch die fehle im Film gänzlich. Am Ende wirke der Film glattpoliert – aber dieser sterile Look könne über seine Schwächen nicht hinwegtäuschen. Die Verfilmung reiche allenfalls für ein Skandälchen.