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23. June 2015 - von Franziska Pröll

Frauen! Fußball!

Ist Frauenfußball sehenswert oder langweilig?

Fakten

  • Bei der Frauen-Fußball-WM in Kanada spielt die deutsche Nationalmannschaft ins Viertelfinale ein
  • Am Wochenende haben sie gegen Schweden 4:1 gewonnen
  • In den vergangenen Jahren war die Silvia Neid oftmals als Trainerin kritisiert worden

 

 

“Es gibt kaum noch Chauvi-Sprüche, aber there is a long way to a Sommermärchen”, findet Silke Mülherr von “Die Welt”. Der Frauenfußball wirke – gerade im Vergleich zu Bundesliga oder Champions League – “extrem langsam und unathletisch”. Blöde Sprüche hätten die Fußballerinnen jedoch nicht verdient. Ausschalten sei da schon die bessere Option.

“Frauen spielen keinen Männerfußball. Wer das versteht, hat viel kapiert”, kommentiert Anton Schwankhart von der “Augsburger Allgemeinen”. Fußball-Frauen würden, anders als die männlichen Vertreter der Sportart, “Ästhetik und Kultur des Spiels sowie zivile Umgangsformen” pflegen. Dies würden die Zuschauer den Damen danken, indem sie selbst nächtens WM-Partien verfolgen würden.

 

Die Frauen-WM “bietet besten Anschauungsunterricht dafür, wie groß die Fortschritte im Frauenfußball sind”, meint Klaus Wille von der “WAZ”. Nicht nur beim deutschen Team könne man “Angriffsfußball” beobachten, der Laune macht und für volle Arenen in Kanada sorgt. Leider werde sich die positive Entwicklung im Frauenfußball weder in den Zuschauerzahlen der Bundesliga noch in der Bereitschaft von Sponsoren niederschlagen.
“Silvia Neid hat aus der Niederlage gelernt”, analysiert Daniel Meuren von der “Frankfurter Allgemeinen”. Nach dem schlechten Abschneiden des DFB-Teams bei der Heim-WM 2011 sei es der Trainerin gelunge sich als Führungsfigur neu zu erfinden. Neid schenke jungen Spielerinnen Vertrauen und vermittle ihnen beharrlich ihre Spielidee. Bereitwillig gebe sie Verantwortung an Führungsspielerinnen ab – was ihr das Team durch eigenverantwortliches Auftreten auf dem Platz danke.

“Neid hat sich Gelassenheit zugelegt, die ihr vor vier Jahren noch gefehlt hat”, schreibt Frank Hellmann auf “Zeit Online”. Die Trainerin gehe nun stärker auf Wünsche und Bedürfnisse der Spielerinnen ein und zeige sich gelassener gegenüber deren Fehlern. Als Erweckunghabe die EM 2013 gedient. Seitdem habe Neid die Spielerinnen trotz großer Altersunterschiede zusammengeführt und das Team als Ganzes reifen lassen.