Aktuell

20. April 2013 - von Pia Frey

Bundesliga: Spanische Scharmützel

Entwickelt sich der deutsche Fußball zur Zweiklassengesellschaft?

Fakten

  • In den letzten vier Bundesligaspielzeiten wurden nur zwei Vereine deutscher Fußballmeister: Borussia Dortmund und der FC Bayern München.
  • Durch ihre Teilnahme am Halbfinale der Champions League haben beide Mannschaften jeweils knappe 50 Millionen Euro zusätzlich eingenommen.
  • In der aktuellen Spielzeit führt Bayern München mit 20 Punkten vor Borussia Dortmund und ist bereits seit dem 28. Spieltag Deutscher Meister – Rekord.
  • Aufgrund dieser Situation hat Uli Hoeneß, Präsident des FC Bayern München, angeregt, eine Diskussion mit den anderen Vereinen darüber zu führen, wie eine größere Ausgeglichenheit in der Bundesliga gewährt werden kann. Dazu müssten die Vereine “solidarisch” miteinander umgehen.
  • Ausschlaggebend für seinen Vorstoß ist der Blick auf die spanische Primera División. Hier machen seit Jahren der FC Barcelona und Real Madrid die Meisterschaft unter sich aus.

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DER SCHLAGABTAUSCH

Läuft die Bundesliga Gefahr, auf Dauer von zwei Mannschaften dominiert zu werden?

spox“Nix da” – meinen die Fußballexperten von spox.de. Es ist zwar offensichtlich, dass diese beiden Teams auch in Zukunft oben mitspielen werden. Jedoch stellt die zentrale Vermarktung der Fernsehgelder und das im weiteren Sinne für ausgeglichen befundene Trikotsponsoring sicher, dass die Kluft zu den anderen Vereinen keine spanischen Ausmaße annehmen kann. Auch wenn es sportlich momentan so aussehen mag, hält man dies in finanzieller Hinsicht für abwegig. Die anderen Vereine müssen eben nur, wie es die beiden Klassenprimen vorleben, ihren eigenen Weg finden. Dann haben wir in absehbarer Zeit auch wieder einen Meister, der aus Leverkusen, Schalke oder sogar aus Hamburg kommt.

Bildschirmfoto 2013-04-19 um 19.06.58Genau hier liegt aber das Problem, analysieren die Ruhrnachrichten. Während das Spitzenduo weiterhin durch seine Erfolge Millionen scheffelt, gehören andere Vereine schon lange nur noch nach ihrem eigenen Selbstverständnis zur vermeintlichen Spitzengruppe. So lange die Verantwortlichen in Dortmund und München keine gravierenden Fehler begehen, die bei den anderen Vereinen mit größter Selbstverständlichkeit gemacht werden,  ist auch ein noch so gut formulierter Masterplan zwecklos. An ein Rütteln an der Vormachtstellung ist also nicht zu denken.

jogisjungsNicht ganz so pessimistisch sieht das der Blog jogisjungs. Zwar wird auch in der kommenden Saison die Meisterschaft an einen der beiden derzeit dominierenden Clubs gehen – soviel ist zumindest für diese Saison sicher. Die anderen Vereine sind einfach zu unkonstant, sowohl im mannschaftlichen als auch im organisatorischen Bereich. Für alle Vereine wird es schwer, in nächster Zeit an der Herrschaft der großen Zwei zu kratzen. Aber in Zukunft kann das alles natürlich wieder ganz anders aussehen.

echoDer Sport ist eben doch ein “Abbild der Gesellschaft”, philosophiert echo-online schwarzmalerisch. Die Schere geht auseinander – das können Politiker so lange schönreden wie sie wollen. Logische Konsequenz des anwachsenden Reichtums einiger ist eben die Verarmung der anderen. Bedenklich ist, dass die beiden Teams aus Dortmund und München ihre Gegner sogar mit der B-Elf dominieren. Der deutsche Fußballfan muss scharf aufpassen, dass hierzulande nicht auch spanische Verhältnisse eintreten.

Ist die Diskussion nützlich?

WAZAllerdings, findet die WAZ. Die Lösung ist recht simpel – die Bayern haben schließlich selbst alles in der Hand: Weil sie in der DFL ein gewichtiges Wort mitzureden haben, können sie dafür sorgen, dass die TV-Gelder gerechter verteilt werden. Zudem ist Karl-Heinz Rummenigge ja auch Präsident der mächtigen europäischen Klubvertretung ECA. Dann muss er eben Einfluss darauf nehmen, dass die Gewinne der einzelnen Teilnehmer der internationalen Wettbewerbe zurückgedreht werden. Ganz nach Vorbild Robin Hood: Den Reichen nehmen und den Armen geben, das ist so romantisch, dass es sich schon gut anfühlt, “wenn man nur darüber plaudert”.

dwWie, bitteschön, sollte eine Hilfe der Großen für die Kleinen der Liga denn aussehen? Umverteilung der Gelder? Eine Art Solidaritätszuschlag für den “Aufbau der unteren Tabellenhälfte”? Unrealistisch, findet die Deutsche Welle. Lösungsvorschlag: Statt Robben, Ribery und Neuer holt man einfach nur noch Ausschussware der ersten Liga oder Bankdrücker der zweiten. Und verpflichtet am besten gleich noch Jürgen Klinsmann als Trainer für die nächste Saison. Es liegt also an den Vereinen selbst, für Ausgeglichenheit zu sorgen.

moz“Bigott” sind diese jüngsten Hoeneß’schen Einfälle – meint die Märkische Oderzeitung:  Gerade die Bayern waren es doch, die durch zahllose gezielte Abwerbungen in den letzten Jahren die Konkurrenz schwächten und auf das inzwischen schon “legendäre” Festgeldkonto zurückgriffen, um ihre Vormachtstellung zu zementieren. Lässt sich das Problem vielleicht lösen, indem die Spieler auf die einzelnen Vereine aufgeteilt werden? Das Gefälle wird jedenfalls nicht größer – es existiert schon seit Jahrzehnten. Und zwar zu Gunsten der Bayern. Dortmund wird sich nicht über Jahre in dieser Position halten können – das lehrt die Geschichte. Deswegen ist auch der Begriff “spanische Verhältnisse” unpassend: “Bayrische Verhältnisse” trifft es viel eher.

Welt“Diese Saison ist das Beste, was dem deutschen Fußball seit langem passiert ist” urteilt die Welt und umgeht weitläufig die angeregte Diskussion. Das internationale Ansehen der Bundesliga ist durch die Erfolge der beiden Mannschaften, die das “Gesicht” der Liga sind, enorm gewachsen. Es liegt an den anderen Teams, von diesen zu lernen und wieder zu einer echten Konkurrenz zu werden. Dass diese Liga zu einer Zweiklassengesellschaft werden konnte hat sich die zweite Klasse selbst zuzuschreiben. Diskussionen über Umverteilung und Solidarität sind also unnötig. In jedem Fall schadet die Dominanz der Bayern und des BVB der Bundesliga nicht – ganz im Gegenteil!
Bild: rayand