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14. October 2013 - von Pia Frey

Gegen das Gas

– Der Friedensnobelpreis 2013

Fakten

DER MEINUNGSKOMPASS

Friedensnobelpreis

DIE FAKTEN

  • Die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) wird mit dem diesjährigen Friedensnobelpreis ausgezeichnet.
  • Das Nobelpreis-Komitee begründet seine Entscheidung mit dem “umfassenden Einsatz für die Vernichtung von Chemiewaffen”.
  • Momentan zerstören Inspekteure der OPCW im Auftrag der UN das Chemiewaffen-Arsenal des syrischen Präsidenten Assad.
  • Der Preis ist mit rund 920.000 Euro dotiert.

Ist die Entscheidung richtig?

zeit“Mit der Entscheidung, den Friedensnobelpreis an die OPCW zu verleihen, setzt das Komitee ein wichtiges und richtiges Zeichen”, meint Hauke Friedrichs auf Zeit Online. Und das, obwohl der Preis die Welt nicht friedlicher machen werde. Was zähle sei, dass durch die Entscheidung der Druck auf Staaten erhöhen werde, die noch immer Chemiewaffen besitzen würden. Zudem schließe sich nach 2009 und dem Nobelpreis für Barack Obama der Kreis. Ohne den massiven Druck der USA hätte Assad der Zerstörung seiner Chemiewaffen niemals zugestimmt.

ButtonFAZ1Die Verleihung an die OPCW sei politisch motiviert, folgert der Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Günther Nonnenmacher auf FAZ.net. Denn das Komitee wolle zum Frieden im Nahen Osten beitragen. “Aber oft genug bleiben solche Schecks auf die Zukunft unerfüllt.” Man solle an die vergangenen Preise an Arafat und Rabin, sowie an Obama denken, die sich nicht wirklich ausbezahlt hätten. Die Welt der politischen Diplomatie sei eben komplizierter als man sich das in Oslo vorstelle. Was zähle sei nicht der gute Wille, sondern Taten.

Kölner Stadtanzeiger“Die Entscheidung, die Auszeichnung an Chemiewaffen-Inspekteure zu vergeben, ist ebenso überraschend wie richtig”, schreibt Steffen Hebestreit für den Kölner Stadtanzeiger. Als Gründe führt er an, dass das Komitee seiner Linie treu bleibe, weil es nach der EU im letzten Jahr zum zweiten Mal hintereinander einer politischen Organisation den Preis verleihen wolle und keinem Staatsmann oder keiner Einzelperson. Insofern werde die Entscheidung anders als bei Barack Obama 2009 oder bei dem chinesischen Dissidenten Liu Xiabo mehr Zustimmung erfahren.

dradio“Das Komitee ist der Ersuchung erlegen, mit seiner Wahl scheinbar vieles gleichzeitig bewirken zu können”, kommentiert Klaus Remme im Deutschlandradio Kultur. Man habe erstens medial überraschen, zweitens vergangene Taten honorieren, drittens für die Zukunft motivieren und viertens Kritik an den Chemiewaffenbeständen in den USA und Russland üben wollen. Tatsächlich aber richte der Preis an die UN-Organisation den Focus ausgerechnet auf einen Kriegsschauplatz, an dem sich die Vereinten Nationen mit ihrem Instrument “UN-Sicherheitsrat” als Totalausfall erwiesen hätten.

Fördert der Preis Friedensprozesse?

tagesspiegelEs sei richtig, diejenigen zu ehren, die sich für die weltweite Abrüstung von Chemiewaffen einsetzen würden, schreibt Juliane Schäuble für den Tagesspiegel. Die Welt ohne Assads Chemiewaffen sei definitiv eine bessere. “Ob die Welt dadurch eine friedlichere wird, ist damit aber noch nicht gesagt.” Die Entscheidung der Männer und Frauen aus Oslo sei klar tagespolitisch geprägt gewesen; deswegen noch lange nicht falsch, aber eben kein Allheilmittel.

spiegelDer Friedensnobelpreis für die OPCW ist die “Anerkennung für die gefährlichste Mission der Welt”, urteilt Fabian Reinbold für Spiegel Online. Das Thema Abrüstung sei klassisch und ganz im Sinne des Gründers Alfred Nobel. Den Waffeninspekteuren dürfte der Preis nun noch mehr Durchschlagskraft in Syrien verleihen. Zwar werde dadurch das Töten in Syrien nicht beendet, dafür aber verhindert, dass die chemischen Waffen in die Hände von Terroristen gelangen könnten. In dieser Hinsicht sei der Preis darum zumindest keine schlechte Wahl.

tazWährend alle Welt über die Entscheidung über den Nobelpreis jubeln würde, kommt Ines Kappert auf taz.de zu dem Schluss: “Die Entscheidung hat Konsequenzen, und die sind blutig.” Denn die Würdigung der Chemiewaffen-Abrüstung komme dem Warlord Assad zugute. Er könne sich nun rühmen, so toll mit der UN zusammenzuarbeiten und währenddessen mit konventionellen Waffen munter weiter bombardieren. Assad warte nun geduldig auf dem kommenden Winter. Er setze längst nicht mehr auf Gas, sondern auf Hunger und Kälte.

Bild: Wikimedia Commons