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12. August 2015 - von Marie-Lena Hutfils

Googles neues ABC

Bringt der neue Mutterkonzern Alphabet den Aufschwung? Oder ist die Gründung nur eine teure Beförderung für den neuen Chef Sundar Pichai?

Fakten

  • Google bekommt mit der neu gegründeten Holding Alphabet eine Mutterfirma
  • Larry Page, einer der Google-Gründer, wird Chef von Alphabet
  • CEO der Tochterfirma Google wird Sundar Pichai
  • Die Suchmaschine, sowie YouTube und Android werden durch die Umstrukturierung von teuren Forschungs- und Investitionsprojekten getrennt

“Der Konzern, der unser digitales Leben beherrscht, wird ein bisschen normaler. Mehr nicht”, meint Henrik Böhme von der “Deutschen Welle”. Eine Umstrukturierung gehöre zu jedem Unternehmensalltag dazu. Wenn man so wolle, werde das Unternehmen in einen Bereich aufgeteilt, der Geld verdiene und einen der es ausgebe.

“Ein Teil der Einzigartigkeit geht verloren”, schreibt Nora Stöhr für “Stuttgarter-Zeitung.de”. Die getrennten Sparten sorgten nämlich auch für eine seperate Finanzierung. Verrückte Ideen würden es da künftig schwerer haben. Letztlich ist der Umbau aber ein logischer Schritt, der mehr Ordnung und Stabilität ins Unternehmen bringe.

“Nicht jeder bekommt zur Beförderung extra ein eigenes Unternehmen”, kommentiert Partick Bernau für “faz.net” Er mutmaßt, dass die Umstrukturierung vor allem mir der Personalie Sundar Pichai zu erklären sei. Anders als viele Investoren hoffen, solle aber nicht viel zusätzliche Transparenz erwartet werden. Da waren die beiden bisherigen Chefs noch nie große Freunde von.

“Google hat sich mit der Gründung von Alphabet ein bisschen weniger wie Microsoft, ein bisschen mehr wie Apple positioniert”, meint Wolfgang Stuflesser für “tagesschau.de”. Schon länger hätten die Google-Gründer Apple als Vorbild gesehen, das sich immer wieder neu erfunden hätte. Auch Google sei jetzt an seine Grenzen gestoßen und hatte sich neu erfinden müssen um nicht die Kontrolle über einzelne Firmenteile zu verlieren.

“Die Restrukturierung dürfte ein taktisches Mittel gegen die Sklerose des unternehmerischen Geistes eines Grosskonzerns darstellen”, findet Jürg Müller in der “Neuen Zürcher Zeitung”. Es sei allerdings unklar, ob es Alphabet gelinge, den innovtionsfeindlichen Mief eines etablierten Unternhemens zu verteiben. Aufpassen sollten die Gründern Sergey Brin und Larry Page mit dem neuen Selbstverständnis, das mehr auf eine Ausrichtung aufs Finanzwesen deutet. Da passe nicht zu den visionären Google-Gründern.

“Business mostly thinks the new look is smart. But regulators and privacy campaigners are not so sure”, kommentiert die Redaktion des britischen “Guardian”. Nicht nur die Förderung innovativer Ideen könne ein Grund für die Umstruktuierung sein. Es könnte der Versuch sein der “anti-trust”-Stimmung auszuweichen, die im  Spannungsfeld zwischen Privatsphäre, nationaler Souveränität und globaler Wirtschaft entstanden ist.