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12. January 2015 - von Pia Frey

Der Islam und der Terror

Was haben die Morde von Paris mit dem Islam zu tun?

Fakten

  • Nach den Terrorattacken von Paris sagte Bundesinnenminister Thomas de Maiziere der “Süddeutschen Zeitung”, dass Terroristische Attentate nichts mit dem Islam zu tun hätten. Man müsse den Islam von islamistischem Terror klar unterscheiden.
  • Muslimische Verbände, wie der Zentralrat der Muslime, verurteilen das islamistische Attentat auf die Pariser Satiremagazin “Charlie Hebdo” Anfang Januar und sehen den Glauben verraten und muslimischen Prinzipien entwertet.
  • Auf der anderen Seite sehen sich islamkritische Organisationen wie PEGIDA oder die AfD in ihren Positionen bestätigt.

“Die meisten der Männer, die in Allahs Namen morden, haben in Moscheen gebetet und lesen aus dem Koran die Rechtfertigung ihres Tuns heraus”, mahnt Michael Martens von der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung”. Der Großteil der Muslime sei nicht radikal oder terroristisch. Aber die meisten Männer, die im Namen Allahs töteten, hätten in Moscheen gebetet und ihre Taten aus dem Koran gerechtfertigt. Es liege deswegen an den Imamen und an muslimischen Verbänden, zu klären, warum dieser Missbrauch gerade im Islam so häufig ist.

“Doch, dieses Massaker hat mit dem Islam zu tun!”, schreibt die somalisch-niederländische Autorin Ayaan Hirsi Ali in der “Welt”. Dies sei keine Attacke eines einsamen Wolfes gewesen, auch keine “un-islamische” Attacke von ein paar Gangstern. Das Beschwichtigen, die Attacken dürften nicht mit dem Islam in Verbindung gebracht werden, müsse endlich aufhören. Stattdessen solle der Westen darauf bestehen, dass Muslime klar sagen, was für sie beleidigender ist: Krieg und Terror im Namen des Propheten oder Zeichnungen, die sich über diesen lustig machen.

“Es geschieht nicht im Namen der Muslime”, meint Maritta Tkalec von der “Berliner Zeitung” bezüglich der islamistischen Gräueltaten. Dass der Islamismus aber nichts mit dem Islam zu tun hätte, sei realitätsfern. Die Probleme müssten offen erkannt und klar beschrieben werden, damit man sie effektiv bekämpfen könne. Den guten Islam in seiner noblen Position zu halten, das könnten und müssten die Muslime mit Mut aber selber tun.

“Der Islam ist nicht per se böse”, kommentiert Helge Matthiesen für die “Kölnische Rundschau”. Für das weitere friedliche Zusammenleben in Deutschland lohne es sich, rechtzeitig ein paar Dinge auseinanderzuhalten. Terrorismus sei keine neue Erscheinung, ihn habe es aus politischen und religiösen Gründen schon immer gegeben. Gleichwohl müssten die gesellschaftlichen Ursachen dieses neuen Terrorismus Thema der öffentlichen Diskussion sein. Nur so würden sich die größer werdenden Ängste gegenüber dem Islam abbauen lassen.

“Den Islam als Ganzes für den Terror von Extremisten verantwortlich zu machen, wäre fatal”, meint Martin Klingst auf “Zeit Online”. Auch wenn es beim Islam vieles gebe, was sich kritisieren lasse: Bei den Islamisten handele es sich oft um gebrochene Biografien, die mit ihrem Leben und ihrer Identität nicht mehr zurecht kamen und Halt in einer extremen Variante ihrer Religion suchten. Die Gefahr für die westliche Welt sei, sich jetzt einfach gestrickten Feinbildern hinzugeben und sich selbst zu radikalisieren.

“Im Namen keiner anderen Religion wurden in den vergangenen Jahren derart barbarische Taten begangen”, urteilt Christoph Schwennicke für den “Cicero” im Bezug auf den Islam. Man dürfe die Millionen friedfertigen Muslime zwar nicht für Taten einzelner Attentäter verantwortlich machen. Mit dem Islam aber stimme etwas nicht, da sie mehr als jede andere Religion dazu verleite, im Namen eines Gottes zu morden.

“Jede Menge falsche Freunde” schreibt Deniz Yücel auf “taz.de” den Opfer des Pariser Terrors zu. Pegida und co. hätten keine Recht, die Toten für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Auf der anderen Seite müsse man jedem Muslim, der der Verurteilung des Mordes ein “Aber” hinterher schiebt, eben jene Pegida an den Hals wünschen. Die Behauptung, die Morde von Paris hätten nichts mit dem Islam zu tun, sei unerträglich. Denn was ein nennenswerter Teil der Muslime aus dem Islam mache, sei Barbarei. Wenn sich die Muslime das nicht eingestehen, werde das Problemfindung erschweren.