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15. January 2015 - von Pia Frey

“Der großer Trip – Wild”

Wie ist der neue Film mit Reese Witherspoon?

Fakten

“Die Filmadaption führt zu einem ganz anderen Ende, als man es von der Geschichte einer Selbstfindung erwarten würde”, schreibt Hannah Pilarczyk auf “Spiegel Online“. Statt zur Erlösung führe sie in das Innerste einer brillanten Frau. Ein Erlebnis, das es schockierend selten im Kino gäbe. Die guten Darstellungen von Witherspoon und Laura Dern (als Mutter der Protagonistin), seien dabei noch nicht mal das Bemerkenswerte an “Wild”. Vielmehr sei es die Entscheidung Regie, Buch und Produktion, eine Geschichte zu erzählen, die nicht auf Identifikation und Sympathie aufbaue.

Manchmal müsse man 1000 Meilen laufen um sich selbst zu finden. Sehr viel mehr Weisheit oder gar Botschaft solle von “Wild” man nicht erwarten, kommentiert Alexander Soyez für den RBB. “Die majestätische Wildnis des Pacific Crest Trail wird zwar nur einfallslos bebildert, aber dafür zeigt Reese Witherspoon eine umso eindrucksvollere Seelenlandschaft.” Denn die Amerikanerin trage den Film alleine auf ihren Schultern zeige damit eine der bemerkenswertesten Leistungen ihrer Karriere.

“Es gibt tolle große Bilder, aber das ist alles äußerlich, innerlich passiert recht wenig”, resümiert Kirsten Martins für den Radiosender Bayern 2. Am Ende ihres 1800 Meilen langen Trips leuchteten die roten Schnürsenkel von Cheryl Strayed noch wie am Anfang. Genauso unberührt wie ihre Schuhe sei die Hauptperson. Davon was im Innern der jungen Frau auf diesem langen Trip passiert sei, bekomme man nicht viel mit. Gerade das solle man bei solch einer Geschichte aber eigentlich erwarten können.

“Ein dröges Verfahren, das keinen Erzählrhythmus aufkommen lässt”, urteilt Verena Lueken für die “Frankfurter Allgemeine” über die Erzählweise des Films. Nick Hornby habe keinen originellen Dreh gefunden, die phantastischen Landschaftsbilder, einige komische Szenen und die Rückblenden ins frühere Leben der Heldin mit der Wanderung kurzzuschließen. Weder Hornby noch Regisseur Jean-Marc Vallée noch Reese Witherspoon sei es gelungen, aus diesem alten Stoff der amerikanischen Selbstfindung etwas Neues zu machen.

Hornby schaffe es mit Hilfe seines Humors dem Zuschauer einen leichten Zugang zu dem emotionalen Thema und der so komplizierten, unangepassten Hauptfigur, befindet Sidney Schering für “Quotenmeter”. Witherspoon sei so gut wie seit “Walk the Line” nicht mehr. Dank beeindruckender Bildern, einer einsichtsvollen Erzählweise und Witherspoons starkem Schauspiel “kann sich Jean-Marc Vallées neuste Regiearbeit mit dem gefeierten AIDS-Drama «Dallas Buyers Club» messen lassen.”

“Dass Wild kein großer Wurf geworden ist, liegt an der geradlinigen und vorhersehbaren Dramaturgie klassischer Läuterungsgeschichten”, resümiert Birgit Glombitza für “epd Film”. Die kinotaugliche Fallhöhe liege bei dem Film eher in der tragischen Vorgeschichte der Hauptfigur. Doch die inneren Prozesse seien schwer einzufangen und fürs Kinoauge keine wirklichen Hingucker. So zerfalle “Wild”, trotz einer von Witherspoon glaubwürdig dilettantische, schnaufenden Wanderin früh in seine erzählerischen Einzelteile.

Sechs aus zehn Punkten gibt die Community von “Moviepilot” dem Film.