Aktuell

20. July 2015 - von Christina Scholten

Gefahr aus den eigenen Reihen?

Kann der Finanzminister der Bundeskanzlerin gefährlich werden?

Fakten

“Ein Abgang Schäubles würde Merkels Kanzlerschaft erschüttern”, schreibt Robert Roßmann für die “süddeutsche.de”. Denn seine Macht sei mit seinem harten Standpunkt in den Griechenland-Verhandlungen gewachsen, da er innerhalb seiner Partei an Beliebtheit gewonnen habe. Die Kanzlerin sei deshalb nun auf seine Unterstützung angewiesen, die Zeit ihrer “Allmacht” sei nun vorbei.

“Die Unionsfraktion richtet im Zweifel ihren Kompass eher nach dem ruhenden Pol Schäuble aus”, kommentiert Norbert Wallet vom “General-Anzeiger”. Merkels Spielraum innerhalb der Griechenland-Verhandlungen habe deshalb nun neue Grenzen, denn der Finanzminister habe seine von der Kanzlerin abweichenden Prioritäten deutlich gemacht. Da die richtigen Verhandlungen gerade erst beginnen, müsse die Kanzlerin nun aufpassen.

“Schäuble ist eine so große christdemokratische Figur, dass die Kosten seiner Entlassung wohl zu hoch wären”, meint Florian Gathmann hier auf SPIEGEL ONLINE. Denn sein Zuspruch innerhalb der Partei sei zu hoch, als dass die Kanzlerin auf ihn verzichten könne. Die Bevölkerung würde ihm aufgrund seiner Beliebtheit sogar Tricks innerhalb der “Grexit-auf-Zeit”-Debatte nachsehen. Seine Aussagen zu ihren Differenzen müsse die Kanzlerin wegen dieser Macht hinnehmen.

“Schäuble sollte gehen. Das ist die billigste Lösung – auch für ihn”, schreibt Ulrike Herrmann für “taz.de”. Denn der Finanzminister koste mit seiner Grexit-Ideologie nicht nur Griechenland Geld, da Investoren und Touristen sich fern halten würden. Auch Deutschland belaste er aus finanzieller Sicht, er treibe mit seiner Politik die Kosten der Eurorettung in die Höhe. Er schade sich selbst, wenn er nicht bald abtrete, weil er sonst als “ökonomisch ahnungsloser Finanzminister in die Geschichte eingehen, der die Eurozone gesprengt hat”.

 

“Finanzminister Wolfgang Schäuble ist unentbehrlich”, erklärt Dorothea Siems für “Die Welt”. Innerhalb der Verhandlungen mit Griechenland um die für das Hilfspaket im Gegenzug geforderten Reformen sei er der “beste Mann”. Das wisse auch Bundeskanzlerin Merkel. Zwar habe sie sich gegen den Grexit ausgesprochen, doch die Vorschläge Schäubles “gingen ihr nicht gegen den Strich”. Sie brauche Schäuble und die Geschlossenheit innerhalb der Koalition für die bevorstehenden Verhandlungen.