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17. July 2015 - von Christina Scholten

Die kalte Kanzlerin?

Hat Bundeskanzlerin Merkel in der Situation mit dem weinenden Mädchen falsch reagiert?

Fakten

“Das Leben ist eben doch etwas anderes als politisches Marketing”, meint Markus Decker für den “Kölner Stadt-Anzeiger”. Es sei nicht Merkels Stärke, gefühlvoll zu agieren – deswegen sei sie auch schon so lange Kanzlerin. Echte Hilfen für Reem zu versprechen wäre heuchlerisch gewesen und hätte auch die Kompetenz der Kanzlerin überstiegen. Vielmehr zeige die Situation die Mängel der Asylpolitik auf, die mehr “Übergänge zwischen Asyl- und Zuwanderungsrecht” brauche.

 

 

“Dass Merkel jetzt ein Mangel an Empathie vorgeworfen wird, ist wohlfeil”, meint Désirée Lind vom “Handelsblatt”. Es sei gut, dass die Kanzlerin mit ihrer Unbedarftheit so ehrlich reagiere. Der vorgeworfene Mangel an Empathie greife hingegen zu kurz. Die Situation offenbare „das ganze Dilemma der Flüchtlingspolitik“, die angesichts der Flüchtlingsströme genau so hilflos sei, wie Merkel mit dem weinenden Mädchen.

 

“Mir nötigt Merkels Reaktion tatsächlich so was wie Respekt ab”, schreibt Volker Königkrämer auf “stern.de”. Anstelle von falschen Versprechungen, um galant der Situation zu entkommen, nehme sie das Problem ernst – aber verrate dabei nicht ihre Politik. Sich darüber aufzuregen, sei nur „billiges Politiker-Bashing“. Echte Empörung sei hingegen die Asylpolitik Europas wert.

“Angela Merkel sollte sich wegen ihrer Antwort an das schluchzende Mädchen schämen”, kommentiert Amanda Taub auf “vox.com”. Deutschlands Asylpolitik sei ungerecht und treffe unschuldige Menschen, dabei sei es als eines der wohlhabendsten Ländern der Welt sehr wohl dazu fähig, mehr Flüchtlinge aufzunehmen. Deshalb fühle es sich nicht nur falsch an, wenn die Kanzlerin des Mädchens Träume mit einigen Worten zerstöre, sondern es sei auch falsch.

 

 

 

 

http://m.welt.de/politik/deutschland/article144106520/Merkel-nicht-emotional-beschraenkt-nur-sprachlich.html

 

“Merkel ist, wenn man sie wirklich dafür kritisieren will, in diesem Moment nicht emotional beschränkt, sondern sprachlich limitiert”, meint Robin Alexander von der “Welt”. Die deutsche Asylpolitik sei komplex und schwierig, Merkel scheitere daran, sie einem Kind zu erklären – die Mittel seien begrenzt, trotz nötiger Hilfe für den Einzelnen. Die “Totalkritik” des Netzes sei erstaunlich, denn sie trage nichts zu einer besseren Flüchtlingspolitik bei, wenn sie Merkel zur personifizierten Abschottungspolitik mache.

 

“Merkel ließ sich nicht einmal zu der wolkigsten Andeutung hinreißen, dass der jetzige Kurs irgendwann einmal überholt sein könnte”, meint Annett Meiritz hier auf SPIEGEL ONLINE zur Reaktion Merkels auf das weinende Mädchen. Nicht die angebliche Gefühlskälte sei das Problem, immerhin zeige sich die Kanzlerin mitfühlend. Doch es zeige sich hier die fehlende Selbstkritik, die angebracht sei, weil die Bilanz der Kanzlerin in Punkto Flüchtlingspolitik vernichtend sei. Die Situation offenbare deutlich die “Schwächen und Widersprüche deutscher Flüchtlingspolitik”.

 

 

 

 

 

 

http://www.sueddeutsche.de/politik/fluechtlingsmaedchen-reem-und-die-kanzlerin-was-merkel-statt-streicheln-tun-sollte-1.2569936

Aber Merkel muss endlich erkennen, dass Flüchtlinge ein Gewinn für Deutschland sind.

 

 

 

 

http://www.neues-deutschland.de/artikel/978182.brennender-hass-in-einem-eiskalten-land.html