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14. November 2014 - von Natalie Mayroth

Big T ganz klein

Ex-Arcandor-Chef Middelhoff muss drei Jahre in Haft

Fakten

  • Der ehemalige Chef von Arcandor Thomas Middelhoff, genannt “Big T”, wurde heute vom Landgericht Essen wegen Untreue und Steuerhinterziehung zu drei Jahren Haft verurteilt.
  • Den vom Manager verursachten Schaden für Arcandor bezifferte das Gericht auf mehr als 800 000 Euro. Die Richter kritisierten allerdings auch das Fehlverhalten der Kontrollinstanzen des Unternehmens.
  • Direkt nach der Urteilsverkündung musste Middelhoff wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft.

“Es fällt leicht, sich über die Maßlosigkeit des ehemaligen Bertelsmann-Chefs zu erheben und Schadenfreude zu empfinden”, schreibt Christian Rickens hier auf Spiegel Online. In jedem von uns stecke ein kleiner Big T. Je länger man Macht habe, desto größer sei die Gefahr, deformiert zu werden und  sich am Ende auf Firmenkosten per Helikopter zur Arbeit fliegen zu lassen – weil man selbstverständlich glaube, das stünde einem zu. Wahrscheinlich fasziniere  der tiefe Fall von Middelhoff auch deshalb so sehr, weil viele dabei in den eigenen Abgrund schauen.

“Drei Jahre Haft sind … ein unverhältnismäßig hartes Urteil”, findet Christoph Neßhöver im “Manager Magazin Online”. Zwar habe Middelhoff mit seinen großen Sprüchen und seinem  Hang zum Luxus maßlos gehandelt. Aber Maßlosigkeit dürfe nicht unbedingt durch Maßlosigkeit geahndet werden. Das Strafmaß wirke absurd angesichts des vom Gericht bezifferten Schaden: Uli Hoeneß sei nach Steuerhinterziehung von 30 Millionen hinterzogenen Steuern mit dreieinhalb Jahren Haft davongekommen. Aber das Gericht wolle mit Middelhoff wohl die gesamte Managerkaste abmahnen.

“Das Problem sitzt tiefer”, kommentiert Dana Heide für das “Handelsblatt”. Das Urteil sei zwar angemessen, denn Middelhoff habe das ohnehin schwer angeschlagene Arcandor durch seine teuren Eskapaden geschädigt. Aber Machtmissbrauch sei menschlich. Damit es nicht so weit kommen wie im Fall Middelhoff, gebe es in großen Unternehmen Kontrollinstanzen und die hätten offensichtlich versagt. “Nun ist es an der Zeit, auch die Kontrolleure zur Verantwortung zu ziehen.”

“Von Top-Manager Middelhoff ist nur noch ein Blender übrig”, meint Stefan Wette für die “WAZ”. Selbstherrlich und ohne Unrechtsbewusstsein habe er in die Kasse seines Arbeitgebers gegriffen. Middelhoff hätte früh verinnerlichen soll, was der Mannesmann-Prozess anschaulich gemacht habe: Angestellte Vorstände seien nicht die Gutsherren, sondern ledliglich die Gutsverwalter. Daran müsse die Managerkaste in Zukunft ihr Verhalten ausrichten.

“Er hatte Macht und hat sie missbraucht”, schreibt Henrik Böhme für die “Deutsche Welle”. Mit den drei Jahre Haft, zu denen Middelhoff verurteilt wurde, könne er aber keinen Spitzenplatz in der Hitliste der bösen Wirtschaftsbuben ergattern. Er sei kein Einzelfall, damit aber auch einer der Typen, die das Negativ-Image des raffgierigen Managers weiter befeuern würden. Die bleibende Frage sei, warum das Kontrollgremium der Aufsichtsräte sich von einem wie Middelhoff täuschen ließen.

“Middelhoff verdient Mitleid, weil er selbst ohne Gefängnis schon bestraft genug ist”, schreibt Jan Gänger für “n-tv”. Auch wenn das Urteil angemessen sei, Hohn und Spott seien nicht angebracht. Denn die seien nicht nur selbstgerecht, sondern auch unappetitlich. Wer sich am finanziellen und sozialen Absturz des Top-Managers ergötze, vergesse, dass es sich um einen Menschen handelt.