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18. June 2015 - von Kristoffer Fillies

Raabschied.

Zwischen Erleichterung und Trauer: Der Abschied von Stefan Raab aus dem TV.

Fakten

  • Nach einer langen TV-Karriere hat Stefan Raab gestern seinen Abschied bekannt gegeben
  • Angefangen hat der Entertainer beim Musiksender VIVA, bei Pro 7 hat er 16 Jahre lang gearbeitet
  • Seine größten Erfolge feierte er mit seiner Sendung “TV Total”, die Abendshows “Wok WM” und “Schlag den Raab” machten ihn genau so bekannt wie seine Teilnahme am “Bundesvision Song Contest”

“Der Rückzug von Stefan Raab überrascht nicht wirklich”, schreibt Christian Meier für “Die Welt”. Die Killerplauze, wie Raab sich selber nenne, habe schon 1998 gesagt, er werde mit 50 Jahren kein Fernsehen mehr machen. Raab sei nicht nur einer der größten deutschen TV-Entertainer, er sei auch einer der größten Fernseh-Tüftler. Raab sei bis heute der Publikumsliebling, trotz der von einigen attestierten gefühlten Amtsmüdigkeit in der letzten Zeit. Einen Rücktritt vom Rücktritt werde es vermutlich nicht geben, dafür sei Raab zu konsequent in allem, was er tue.

 

“Raab ist offensichtlich niemand, der dann noch bleibt, wenn er schon hätte gehen sollen”, kommentiert David Hugendick von “Zeit Online”. Raab habe bei seinem Wechsel von Viva zu ProSieben vor 16 Jahren viel von der hyperaktiven Entgrenztheit verloren. Dass seine Abendprogramme so große Erfolge gefeiert hätten, liege auch daran, dass er nicht nur Initiator gewesen sei, sondern Teilnehmer. So sehr seine Dauerpräsenz genervt habe, der nüchterne Abschied mache ihn zu guter letzt doch sympathisch.

 

 

“Stefan, du hast für mich Fernsehgeschichte geschrieben”, schreibt Sabrina Hoffmann von der “Huffington Post”. Raab sei ein wichtiger Teil ihrer Jugend gewesen – als Komiker und Rebell. Denn er habe sich endlich getraut, fiese Dinge zu sagen, die auch witzig waren. Leider habe er keinen Spaß verstanden, wenn es um ihn selbst ging. Dass er nun gehe, sei normal – denn für jeden Herrscher komme mal die Zeit des Abschieds.

 

“Er wird dem Fernsehen fehlen”, resümiert der Medienjournalist Stefan Niggemeier auf seinem Blog “Stefan-Niggemeier.de”. Zwar sei Raabs Sendung “TV Total” in die Jahre gekommen und ihm zuzusehen habe hin und wieder eine Qual sein können, aber gerade mit dem Format “Schlag den Raab” habe er gezeigt, dass sich das totgeglaubte Genre der Samstagabendshow wiederbeleben lasse. Was Raabs Ehrgeiz weckte, habe als Ergebnis fast immer große Unterhaltung ergeben.

 

“Der Verlust für den Sender ist groß”, meinen Ursula Scheer und Michael Hanfeld für die “Frankfurter Allgemeine”. Mit seinen 49 Jahren sei er noch immer ein Jugendmagnet gewesen. Bei “TV Total” sei jedoch seit einiger Zeit ein Ermüdungseffekt erkennbar gewesen, der Ablauf immer der gleiche. So tue Raab gut daran, nun zu gehen. Vielleicht mache er nur eine Pause, bei einem möglichen Comeback stünden ihm viele Türen offen.

 

“Das “TV” wird nie wieder “Total” sein”, meint Christian Buß auf “Spiegel Online”. Einst sei Raab der Heilsbringer des deutschen Fernsehens gewesen, zuletzt habe er jedoch selbst nicht mehr an das “Anything-goes”-Konzept geglaubt, das er selbst so geprägt habe. Sein Rückzug nun sei deshalb konsequent, aber zeitgleich auch das Ende der Ära der TV-Titanen.