Aktuell

11. July 2013 - von Ruprecht Thielmann

Feiern im Ramadan mit gesetzlichem Feiertag?

Fakten

DIE FAKTEN

  • Seit dem 9. Juli findet der diesjährige muslimische Fastenmonat Ramadan statt.
  • Der Ramadan ist der neunte Monat des islamischen Mondkalenders. In ihm wurde nach islamischer Auffassung der Koran herabgesandt.
  • Das Fest des Fastenbrechens am Ende des Ramadans – in diesem Jahr der 9. August – ist nach dem Opferfest der höchste islamische Feiertag.
  • In Deutschland fordert unter anderem immer wieder der Zentralrat der Muslime, auch gesetzliche islamische Feiertage einzuführen.
  • In Hamburg können sich Schüler muslimischen Glaubens seit 2012 an drei islamischen Feiertagen vom Unterricht befreien lassen. Auch in Bremen können muslimische Arbeitnehmer an drei Tagen frei nehmen.

DER MEINUNGSKOMPASS

RAMADAN

Sollten in Deutschland auch islamische Feiertage und Feste gesetzlich verankert werden?

drkulturJa!, kommentiert Rainer Brandes im Deutschlandfunk. Mit über vier Millionen Einwohnern in Deutschland sind die Muslime die stärkste Religion, nach dem Christentum, und prägen den Alltag in vielfältiger Art und Weise. Sie gehören inzwischen voll und ganz zur deutschen Gesellschaft.

freitagAuch Emran Feroz vom Freitag begrüßt die Idee muslimischer Feiertage in Deutschland. Nur christliche Feste zu feiern, diskriminiert über vier Millionen Mitbürger. Aber wie Muslime müssten dann auch Juden und Orthodoxe und weitere Religionen die Möglichkeit haben, Feiertage in Deutschland zu etablieren. Wie wäre es, eine Feiertagsregelung wie in anderen Ländern einzuführen? Jeder erhält eine Anzahl Feiertage, über die er frei verfügen kann.

WeltKlemens Ludwig schreibt für Welt Online, dass “die Verteidigung von Toleranz, Pluralismus und Demokratie” selbstverständlich einschließt, dass Muslime ihren Glauben ungehindert praktizieren. Es gibt demonstrative Bekenntnisse zum Islam, dazu gehört auch die Forderung nach einem allgemeinen islamischen Feiertag. Ihn einzuführen, wäre aber “letztlich eine Absage an all die Werte, deren Verlust auch zum Schaden der Muslime wäre – solange sie in der Minderheit sind.”

Brauchen wir eine größere Trennung von Staat und Religion?

zeitDas ist dringend notwendig!, schreibt Tanja Dückers auf Zeit Online. Deutschland soll sich ein Beispiel an Amerika nehmen, denn dort werden die Feiertage privat mit den Firmen verhandelt. Religion beinhaltet immer einen intoleranten Kern, der nicht verhandelbar ist. Völlig unabhänigig von der Konfession. Also ab nach Hause in die eigenen vier Wände damit, denn die Trennung zwischen Kirche und Staat wird in Deutschland auf sanfte Art immer weiter aufgeweicht. Doch ist die Macht der Kirchen in Deutschland überhaupt noch zeitgemäß?

tazAuch für Martin Reichert auf taz.de ist eine Trennung dringend erforderlich. Viele im Grundgesetz verankerte Grundrechte der Menschen benachteiligen einen großen Teil der Bevölkerung, da sie durch die Macht- und Einflussnahme der Kirchen damals überhaupt erst ins Gesetz geschrieben wurden. Diesbezüglich hinkt Deutschland in diesem Zusammenhang gegenüber Frankreich um Jahre hinterher. Die Integrationsdebatte ließe sich durch ein klares Bekenntnis zum Laizismus vereinfachen.

Jo MenschenfreundAuch der Blogger Jo Menschenfreund sieht die Trennung zwischen Staat und Kirche in Deutschland in Gefahr. Allein schon, dass die größte politische Volkspartei einen religiösen Namen hat, ist ein Indiz dafür, dass in Deutschland die Trennung von Staat und Religion noch nicht vollzogen ist. Es muss Schluss damit sein, die Privilegien der Kirche nicht anrühren zu dürfen, allein um ein faires Miteinander aller Menschen in Deutschland zu gewährleisten.

Forum“Staat und Religion lassen sich nicht trennen”, sagt Sven Speer vom Forum offene Religionspolitik (FOR)- und das obwohl der Autor ohne Religion lebt. Es gibt keine Grenze zwischen Säkularem und Religiösem, und auch die Vergleiche mit Frankreich hinken. Durch die gewachsene katholische Tradition hat es auch dort ein Katholik in Frankreich immer einfacher als ein Moslem. Sinnvoller ist es daher, offen mit Religionen umzugehen und diese im gleichen Maße zu tolerieren.