Aktuell

26. Juli 2013 - von Hannah Loeffler

Sommerschlussverkauf bei Springer

Fakten

DIE FAKTEN

  • Axel Springer gibt seine Regionalzeitungen sowie Frauen- und Programmzeitschriften an die Funke-Mediengruppe ab. Dazu zählen auch Springer-Traditionsblätter wie “Hörzu”, “Hamburger Abendblatt” und “Berliner Morgenpost”.
  • “Die Axel Springer AG wird den eingeschlagenen Weg zum führenden digitalen Medienunternehmen konsequent weitergehen, mit klarer Ausrichtung auf die BILD-und die WELT-Gruppe”, begründet Vorstandsvorsitzender Mathias Döpfner den Verkauf.
  • Die Funke-Gruppe wird insgesamt 920 Millionen Euro für die gekauften Medien zahlen. 260 Millionen Euro muss Springer dem Käufer für den Deal leihen.
  • Schon am Mittwoch hatte Springer Schlagzeilen gemacht, als der Konzern verkündete, die Berliner Boulevardzeitung “B.Z.” mit “Bild-Berlin” zusammenlegen zu wollen.

DER MEINUNGSKOMPASS

AUSVERKAUF BEI SPRINGER

War der Verkauf die richtige Entscheidung?

Meedia“Springer verfolgt den Digitalisierungskurs mit einer Konsequenz und Unbarmherzigkeit, die man hierzulande sonst nicht kennt”, kommentiert Stefan Winterbauer auf Meedia. Am Donnerstag habe der Konzern, der sich sonst gerne mit “lustigen Silicon-Valley-Videos als eine Art Happy-Media-Family inszeniert”, seine andere Seite gezeigt. Doch tatsächlich stünde Springer jetzt noch mehr für die digitale Zukunft und Funke für das rückläufige Print-Geschäft. Die Springer-Aktionäre freut’s. Die Springer-Mitarbeiter in Hamburg wohl eher nicht, zumal die Funke Gruppe nun eine “neue saftige Zitrone dazugekauft” hat, die sie auspressen kann.

wiwo“Der Verkauf der Titel ist vor allem eins: konsequent”, meint auch Franziska Bluhm von der WirtschaftWoche. Der Deal mit der Funke-Mediengruppe zeige, wie ernst es Springer mit der Digitalisierung meint. Der Konzern habe erkannt, dass der Schritt zum “digitalsten Medienkonzern” ohne hohe Investitionen nicht möglich ist. “Springer arbeitet mit Volldampf an seiner Zukunft. Auch wenn der Verkauf der Flaggschiffe Mediennostalgiker traurig stimmen mag.”

Horizont3Es sei kurios, dass Springer sich auf dem Weg zum führenden digitalen Medienkonzern von seinen “Medientiteln trennt – statt sie zu digitalisieren”, findet hingegen Jürgen Scharrer von Horizont.net. Offenbar traue sich der Konzern nicht, mit den Titeln im Internet Geld zu verdienen. “Tatsächlich sind die digitalen Erfolge von Springer bisher ja hauptsächlich Unternehmungen, die wenig mit Journalismus zu tun haben.” Jetzt bleibe abzuwarten, ob Springer mit dem verdienten Geld andere Medien übernimmt. “Das würde schließlich gut zu dem Anspruch „führendes Medienhaus“ passen, ist aber nicht allzu wahrscheinlich.”

turi2“Mathias Döpfner macht es sich zu einfach” und wirft die Flinte vorzeitig ins Korn, kommentiert Peter Turi auf Turi 2. Der Weg von Döpfner sei nur richtig, wenn man ihn unter dem “Aspekt von Rendite, Aktienkurs und Shareholder Value” betrachtet. Ein richtiger Verleger wie Axel Springer wäre anders vorgegangen: Er hatte eine Zukunft für das “Hamburger Abendblatt” und Co in der digitalen Welt gesucht, “irgendwo zwischen Paid Content, Classified Ads und Kooperationen.” Beim Funke-Clan, der weder als kreativ, noch als nachhaltig gilt, seien die Medien jedenfalls auch nicht besser aufgehoben, als bei Springer.

sueddeutscheDöpfner kappe mit dem Verkauf der traditionsreichen Zeitungen und Zeitschriften die Wurzeln des Konzerns. “Doch das könnte ihm zum Verhängnis werden, denn gerade im unübersichtlichen Netz entscheiden starke Marken”, bilanziert Caspar Busse auf Süddeutsche.de. Gerade in Zeiten der digitalen Informationsflut suchten Menschen nach etwas Bekanntem und Verlässlichem, wie etwa dem “Hamburger Abendblatt” oder der “Berliner Morgenpost”, die auch immer noch Gewinne erzielen.

Welche Konsequenzen hat der Verkauf für den Journalismus?

spiegel“Springer-Strategie: Journalismus im Schlussverkauf”, titelt Markus Brauck auf Spiegel Online. Seit heute sei klar, dass Mathias Döpfner, ehemaliger Feuilletonredakteur und nun der Chef von Europas größtem Zeitungshaus, nicht mehr an das eigene Produkt und an die Zukunft für die meisten der Redaktionen glaubt. Der Verkauf beweise “wie groß die Angst sein muss im Hause Springer in ein paar Jahren auf einem unverkäuflichen Haufen Altpapier zu sitzen.” Dabei fehle Springer heute nur eins: Eine Idee.

ButtonFAZ1“Ein Verlag ist Springer die längste Zeit gewesen”, jetzt sei der Konzern ein “Möchtegern-Superdigitaljournalismuskonzern”, meint Michael Hanfeld von FAZ.net. Überspitzt könne man nun formulieren, dass Springer Print aufgibt und das “als Fingerzeig auf den vermeintlichen Niedergang des Zeitungsjournalismus nehmen”, doch es handele sich hier eindeutig um eine “Causa Springer.” Springer wolle auch so schnell Geld verdienen wie Google & Co. und es den Online-Oligopolisten gleichtun. “Das ist die Lehre aus dem Besuchszirkus, den führende Vertreter des Konzerns im Silicon Valley aufgeführt haben.”

Deutschlandfunk“Der deutsche Journalismus steht vor einem weiteren Kahlschlag”, urteilt auch Brigitte Baetz im Deutschlandfunk. Dass Springer sich gleich von mehreren Traditionsmarken trennt, sei “ungewöhnlich, denn das Haus hält – zumindest nach außen hin – das Erbe des Zeitungsgründers Axel Cäsar Springer hoch.”  Auf Journalismus setze Springer nicht mehr. Das zeige sich daran, dass der Konzern parallel dem Aufbau von Pay Walls immer mehr weiter Personal entlässt. “Man will vom Leser/Nutzer jetzt auch online Geld haben, aber nicht für bessere journalistische Qualität, denn für die bräuchte man ja eher mehr Mitarbeiter als weniger.”

tazDer Verkauf der Morgenpost bedeute zunächst, dass Springer das piefige Berlin nicht mehr reicht, kommentiert Gereon Asmuth auf Taz.de den Verkauf der “Berliner Morgenpost”.Der Verlag strebe nun nach Höherem. Die Morgenpost sei durch den Verkauf zwar noch nicht tot, aber ihr fehle nun das entscheidende Label: Springer Blatt. “Es droht eine Zeitung, die man nicht mal mehr blöd finden kann, die nur noch eins ist: egal. Und das kann niemandem in Berlin egal sein.”

 

Foto: János Balázs